gesetzliche Zugeständnis-Fiktion, womit ihm verunmöglicht wurde, spätere Widersprüche und zugehörige Beweise zu berücksichtigen, und womit es einen Handlungsspielraum im Einzelfall einbüsste, führte im Reflex zu prozessunökonomischumfangreichen Schriftsätzen. Die Vorschriften zur Beweispflicht in der liechtensteinischen All- gemeinen Gerichtsordnung legten ein System fest, das die 
Ursache für übermässig grosse und detaillierte Schriftsätze wurde, da sie solche gera- dezu verlangten. Abhilfe im Sinne der Prozessökonomie gegen solche gesetzesbedingte Auswüchse musste demnach mittels Änderung der Bestimmungen erfolgen und hier setzte die Novellierung der liechten- steinischen Allgemeinen Gerichtsordnung 
an. bbb)Neue Regelung: Widerspruch vermutet Die Novellierung der liechtensteinischen Allgemeinen Gerichtsordnung behielt das Gerüst der drei Varianten bei und bemühte sich, das System zu verfeinern, insbesondere bei Variante (3). Allerdings führte dies zu einem überladenen und unklaren Wortlaut, aus dem das neue System nicht prima vista ersichtlich ist. Die neuen Vorschriften beschränkten sich ebenfalls auf parteisei- tige Tatsachenbehauptungen im kontradiktorischen Verfahren («Die von einer Prozesspartei behaupteten Tatsachen, welche von dem Prozessgeg- ner»). Weiterhin, obgleich im Normwortlaut unausgesprochen, galt, dass die Beweislast denjenigen traf, der eine Tatsache behauptete. Wie- derum konnte eine Partei auf Tatsachenvorbringen der Gegenseite, ins- besondere der Beklagte auf solche in der Klage, reagieren, indem er aktiv (1) ihnen ausdrücklich widersprach oder (2) sie ausdrücklich zugestand oder passiv (3) ihnen nichts entgegenhielt und nicht auf sie einging. (1) Im Falle des 
ausdrücklichen Widerspruches seitens der Gegen- partei musste der Behauptende die von ihm vorgebrachten Tatsachen beweisen. Es traf ihn eine Beweispflicht («sind von dem Behauptenden zu erweisen»). Dabei traf die neue Vorschrift zwei einschränkende Voraussetzungen, eine positive und eine negative: Die Beweispflicht be - stand nur, (a) wenn und insofern die betreffenden Tatsachen ent scheid - relevant waren («wenn sie als Grundlage der Entscheidung dienen sol- len»); ferner nur, (b) wenn es sich nicht um gerichtsnotorische Tatsachen handelte («abgesehen von dem Falle der Offenkundigkeit derselben bei dem Gericht»). 300§ 
7 Beginn Justizreform 1906 bis 1908
        

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