Prozesses für wahr zu halten.»). Im Ergebnis, was die Beweispflicht anging, trat dieselbe Folge ein wie bei Variante (2): Es bedurfte keines Beweises und – viel wichtiger und als gesetzliche Fiktion statuiert – das Gericht hatte infolge fehlender Erwiderung die tatsächliche Behauptung ohne Weiteres für wahr zu halten. Dieses Regelungsgefüge der Beweispflicht bei Tatsachenbehaup- tungen gemäss der liechtensteinischen Allgemeinen Gerichtsordnung vor der Novellierung lässt sich 
in prozessökonomischer Hinsicht folgen- dermassen würdigen: Prozessökonomisch wirkte, dass unbestrittene Tatsachen als wahr galten, somit keiner weiteren Klärung mittels Beweises bedurften und insofern keinen parteiseitigen oder gerichtlichen Aufwand im Sinne von Beweisanbietung, -erhebung und -würdigung erforderten. Allerdings konnte dies mitunter der Feststellung der materiellen Wahrheit, also des sich tatsächlich ereigneten, zugrundeliegenden Sachverhalts schaden. Dies umso mehr, da die gesetzliche Fiktion eines Zugeständnisses einen späteren Widerspruch und somit eine entsprechende Beweismöglichkeit ausschloss und das Gericht an die Fiktion band. Prozessökonomisch kontraproduktiv wirkte, dass die Vorschriften (§§ 11 und 104 i. V. m. § 5 FL-AGO) dazu führten, dass in Zweifelsfäl- len sicherheitshalber allem widersprochen wurde, was die Gegenseite an Tatsächlichem vorgetragen hatte. Und das geschah darüber hinaus auch noch detailliert, denn § 11 FL-AGO verlangte, dass «insbesondere» widersprochen wurde. Um sich vermöge derartiger Widersprechungen den Sachverhalt vorerst offenzuhalten und später gegebenenfalls Beweis anzutreten, brachte man zur Sicherheit alle möglichen tatsächlichen Erwiderungen an. Gelang der Beweis später nicht, war das nicht weiter nachteilig; fehlte jedoch eine Widersprechung, blieb eine Beweismög- lichkeit, -zugänglichkeit und -zulässigkeit von vornherein infolge der gesetzlichen Fiktion verschlossen und das war ein schwerer Nachteil. Deshalb erweiterten und vergrösserten sich die antwortenden und rück- antwortenden Schriftsätze aufgrund zahlreicher – zwecks Offenhaltung allfälliger späterer Beweismöglichkeit angebrachter – Widersprechun- gen, wodurch der Aufwand auf Seiten der Parteien, aber auch auf Seiten des Gerichts anschwoll. Prozessunökonomisch war dies insofern, als die Schriften mit weniger Ausführungen nichts an rechtlich relevanter Sub- stanz verloren hätten und gezielter und beschränkter gefasst ebenso voll- ständig hätten sein können. Aber auch die Bindung des Gerichts an die 299 
I. Änderung Allgemeine Gerichtsordnung 1906
        

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