Eine umfangreiche Klageschrift generierte unter dieser Vorschrift eine umfangreiche Erwiderung seitens des Beklagten, nicht nur infolge der strengen generellen Präklusionsfolgen23 in den einzelnen Phasen des Zivilprozesses. Hierzu noch beigetragen hat, dass dem Beklagten das Vermeiden von Zweideutigkeiten auferlegt wurde, weil sie, falls vorhan- den, zu seinen Lasten ausgelegt und gewirkt haben und daher durch aus- führliche Erwiderungen zu vermeiden versucht wurden. Namentlich bei teilweiser Bestreitung und teilweisem Zugeständnis einzelner Tatsachen- behauptungen dürfte deshalb die Erwiderung umfangreich und detail- liert ausgefallen 
sein. In prozessökonomischer Hinsicht zeitigte § 5 FL-AGO dadurch nachteilige Wirkungen, dass er die Schriftlichkeit des Verfahrens zu einer obligaten 
umfangreichen Schriftlichkeit ausgestaltete.24 Das Verbot einer generellen Bestreitung mochte daher rühren, dass eine generelle Bestrei- tung mangels konkreter Hinweise darauf, was inwiefern zugestanden oder bestritten wurde, nicht zur Sachaufklärung beitrug. Unter dem Gesichtspunkt der Aufklärung der materiellen Wahrheit des Sachverhal- tes konnte das Verbot der generellen Bestreitung daher gerechtfertigt werden. Dass jedoch eine beklagtenseitige Erwiderung unter Zusam- menziehung mehrerer Tatsachenbehauptungen des Klägers desgleichen untersagt wurde, indem er jeden vom Kläger eingebrachten Umstand in der vorgegebenen Reihenfolge – ausführlich – zu bestreiten hatte, dürfte in prozessökonomischer Hinsicht zweifelhafter sein und nicht per se zugunsten der Feststellung der materiellen Wahrheit beitragen. Ein que- rulatorischer oder finanzkräftiger Kläger zum Beispiel, der seine Klage mutwillig mit tatsächlichen Vorbringen aufblähte, konnte dadurch unnötigerweise dem Beklagten Zeit- und weiteren Aufwand sowie Kos- ten verursachen, da Letzterer von der Verfahrensordnung zum aus- drücklichen einzelnen Widerspruch verpflichtet war. Prozesstaktische Schikane in Form von Aufwanderzeugung bei der Gegenpartei und damit einhergehenden Verzögerungen und Verteuerungen konnten somit in den Zivilprozess eindringen. 294§ 
7 Beginn Justizreform 1906 bis 1908 23Schoibl, Entwicklung, S.34f.m. w. H. 24Siehe zum umfangreichen Schriftenwechsel gemäss der Allgemeinen Gerichtsord- nung Schoibl, Entwicklung, S.35; Oberhammer, Speeding up, S.226f.
        

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