lungen, Werturteile, Rechtstraditionen [... und] Rechtstheorien»8 sind es in erster Linie, die rezipiert werden und mit denen nach vollzogener Rezeption wird umgegangen werden müssen. Eine solche grundsätzliche, mehr inhaltliche als formelle Entschei- dung zur Rezeption vorausgesetzt, kann laut Franz Klein bei den Ein- zelheiten der konkreten Umsetzung in Vorschriften oder Mechanismen der Zivilprozessordnung sodann «sehr viel Detail für die Rechtsverglei- chung ganz außer Betracht bleiben [...], weil es 
entweder nicht rezipier- bar ist 
oder ohne Schaden für die Sache auch anders gemacht werden kann.»9 Zum einen waren bei der Ausgestaltung der Mechanismen in der österreichischen Zivilprozessordnung von 1895 Finessen entstanden, die nicht rezipierbar waren, weil sie sich als massgeschneidert und stimmig in den österreichischen Zivilprozess, dessen (historische) Praxis sowie die österreichische Rechtsordnung insgesamt einfügten und ausschliess- lich auf sie passten. Dazu zählten beispielsweise die Gerichtsorganisa- tion oder Zuständigkeitsvorschriften, welche auf Liechtenstein nicht direkt angewendet werden konnten, weil das ganze Fürstentum Liech- tenstein insgesamt einen einheitlichen Gerichtskreis mit dazumal nur einer Instanz vor Ort darstellte und diese Instanz zudem lediglich von einem einzigen Landrichter besetzt war.10 Jeder Staat muss solche Rege- lungen eigenständig für seine eigenen Gegebenheiten schaffen, eine Rezeption eins zu eins wäre verfehlt und nicht zielführend. Zum ande- ren legte Klein ohnehin mehr Wert auf die Rezeption der 
Mechanismen an sich als auf deren Einzelheiten. Damit meinte er, dass es zwecks Umsetzung der Ziele eines bestimmten prozessökonomischen Mecha- nismus bei der Rezeption eher darauf ankommt, 
dass ein solcher Mecha- nismus überhaupt in die Zivilprozessordnung aufgenommen wird; wie dabei die Details seiner Ausgestaltung aussehen, fällt demgegenüber nicht entscheidend ins Gewicht, wenn der Mechanismus an sich erst ein- mal geschaffen wurde. Kurzum: Für die Rezeption der in der österreichischen Zivilpro- zessordnung von 1895 gestalteten Prozessökonomie im Fürstentum Liechtenstein war Franz Klein zufolge in erster Linie die Rezeption der 257 
I. Entscheidung zur Rezeption 8Berger, Rezeption, S.8f.; ähnlich Berger, Souveränität, S.45. 9Klein, Zivilprozeß, S.1, Hervorhebungen E. S. 10Vgl. Berger, Transfer, S.9f.; Berger, Faktum, S.9; Berger, Rezeption, S.33.
        

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