I.Entscheidung zur Rezeption Aus rechtsvergleichendem Blickwinkel de lege ferenda hielt Franz Klein eingangs seines Werkes «Der Zivilprozeß Oesterreichs»3 fest, er erläutere darin zum neuen österreichischen Zivilprozessrecht «die leitenden Ideen und die Anstalten, mittels deren man sie hauptsächlich ins Leben zu übersetzen versucht hat[.]»4 Wie gesehen, bedeutete das für die Prozess- ökonomie, sie ausdrücklich in den Rang der besonderen zivilprozessua- len Zwecke zu erheben. Diese galt es sodann mittels prozessökonomi- scher Massnahmen und Mechanismen nicht nur in der Zivilprozessord- nung umzusetzen, sondern damit auch dessen Verwirklichung in der forensischen Praxis sicherzustellen. Eben solche 
besonderen Zwecke (wie die Prozessökonomie) und deren Ausgestaltung in (prozessökonomischen) Mechanismen sind es laut Klein, welche, jeweils historisch und national («territorial»5) bedingt, einer Zivilprozessordnung und dem Zivilprozess sein Gepräge verleihen, und «sie sind dafür entscheidend, inwiefern es [das Prozess- recht, E. S.] auch in anderen Ländern verwendbar ist.»6 Fehlt es bereits bezüglich der besonderen Zwecke des Zivilprozesses an Übereinstim- mung, fällt eine Rezeption dahin. Sie kommt erst in Betracht, wenn und insofern wie die besonderen Zwecke der «leitenden Ideen und Anstal- ten» der zivilprozessrechtlichen Rezeptionsvorlage grundsätzlich gut - geheissen werden. Die Rezeption der Prozessökonomie aus der öster - reichischen Zivilprozessordnung – wie sie in der liechtensteinischen Rechtsordnung stattfinden sollte – setzte somit zunächst voraus, dass die prozessökonomischen Ziele nach Franz Klein gebilligt und ebenso ver- folgt wurden. Herrschte erst einmal bei der «Grundsatzentscheidung für die Rezeption»7 Übereinstimmung bezüglich der prozessökonomischen Ziele der Billigkeit, Raschheit und Effizienz kam eine Rezeption infrage. Denn die bei der Rezeptionsvorlage «zugrunde liegenden Wertvorstel- 256§ 
5 Prozessökonomischen Rezeptionsvorlage 3Das Werk erschien als dritter Band der Reihe «Das Zivilprozeßrecht der Kultur- staaten. Eine Vorarbeit zur deutschen Prozeßreform»; siehe Literaturverzeichnis unter Klein, Zivilprozeß, sowie Klein, Zivilprozeß, S.1. 4Klein, Zivilprozeß, S.1. 5Klein, Zivilprozeß, S.186. 6Klein, Zivilprozeß, S.186. 7Berger, Souveränität, S.45, konkret in leicht anderem Zusammenhang.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.