4.Anpassungen der Gerichtsorganisation Klein baute die blosse Zivilprozessreform zu einer 
Justizreform aus,618 wobei ihm seine hohe Stellung im Justizministerium619hilfreich war. Er erneuerte nämlich nicht nur die zivilprozessualen Verfahrensordnun- gen, sondern gestaltete auch die Gerichtsorganisation gesetzlich und faktisch neu, so dass beide künftig aufeinander abgestimmt und gemein- sam in dieselbe Richtung, unter anderem auf den sozialen620Zivilprozess und die Prozessökonomie hin, wirken konnten.621Friedrich Engel beur- teilte im Nachhinein Kleins Eingriffe in die Gerichtsorganisation als erforderlich, «weil die Aenderungen des Verfahrens ihren Zweck verfehlt hätten, wenn ihre erstrebten und erhofften günstigen Ergebnisse durch Unzulänglichkeiten des sonstigen gerichtlichen Mechanismus auf- gewogen oder vermindert worden wären. [...] Aus diesen Gründen durften sich etwaige Tendenzen des 
Vereinfachens, Beschleunigens oder Rationalisierens nicht auf den eigentlichen Rechtsgang beschränken, sondern mußten auch in den nicht richterlichen Geschäften des gerichtlichen Verfahrens nach allen Seiten durchge- führt werden.»622 So wäre ein neuerdings mündlicher, unmittelbarer und prozessökono- mischer Zivilprozess gegenüber dem schriftlichen, mittelbaren und lang- wierigen Verfahren der Allgemeinen bzw. Westgalizischen Gerichtsord- nung kaum möglich gewesen, hätten nicht dementsprechende Anpas- sungen der Gerichtsorganisation stattgefunden.623 Solche Anpassungen waren namentlich: (1) Die Abgrenzung zwischen 
Richtern und richterlichen Hilfsbe- amten hinsichtlich ihrer Funktionen und Kompetenzen wurde neu gere- gelt. Letztere Beamten erlangten im Sinne vermehrter Arbeitsteilung 251 
IV. Massnahmen 618Leonhard, S.140; vgl. Klein, Zivilprozeß, S.14f.m. w. H. [Ergänzung Engel]. 619Siehe oben unter §  3/I./2./a). 620Siehe oben unter §  3/II./2. 621Schoibl, Entwicklung, S.56f.Vgl. Oberhammer/Domej, Delay, S.262. 622Klein, Zivilprozeß, S.14f.[Ergänzung Engel], Hervorhebung E. S. 623Vgl. Leonhard, S.140.
        

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