Mit anderen Worten sollten möglichst viele Ungewissheiten, namentlich formeller Art, noch vor Inkrafttreten des neuen Zivilverfahrensbeseitigt werden, damit einerseits die erstinstanzlichen Gerichte in ihrer Recht- sprechung davon entlastet würden und andererseits die höheren Instan- zen nicht in einer Vielzahl von Fällen allein infolge formeller Zweifel angegangen würden. Da aus prozessökonomischer Sicht allein formelle, abstrakte Fragen den Zivilprozess meritorisch nicht nur nicht weiter- bringen, sondern diesbezüglich vielmehr verzögern und damit schaden, empfahl es sich, solche Fragen vorwegnehmend zu klären. 
«Nach Akti- vierung der Gesetze», wie Klein später erklärte, «hätte der Rechtsmittel- zug oder die allmähliche Festigung der Praxis die Lösung gebracht, 
auf Kosten des Verkehrs und mit 
Aufwand von viel Mühe und Arbeit.»605 Seiner Schätzung zufolge hätte dies zwei, drei Jahre beansprucht und dadurch die zivilprozessualen Akteure gegenüber dem neuen Verfahren entmutigt oder gar verbittert – ein irreparabler Schaden zulasten der Reform.606 Infolge der Fragenbeantwortung vermochte die «Tätigkeit der Rechtsmittelinstanz [...] gleich auf viel höherer Stufe ein[zu]set- zen[.]»607 Die Fragenbeantwortung, wie alle anderen faktischen prozess- ökonomischen Massnahmen, waren für Klein deshalb ein Gebot. Sie tru- gen massgeblich zum praktischen Erfolg der neuen Zivilprozessordnung bei und wären sie unterblieben, wäre es zum Nachteil ebendieses prak- tischen Erfolgs geschehen.608 Die Beantwortung schränkte die «Selbständigkeit der Gerichte in Sachen der Rechtsanwendung und ihrem Rechte zu unabhängiger Prü- fung und Entscheidung der ihnen vorliegenden Rechtsfälle»609 nicht ein. Das heisst, aus triftigen und wohlerwogenen Gründen war ein Abwei- chen von den Beantwortungen später durchaus zulässig oder sogar geboten. So war die Fragenbeantwortung eine faktische, keine zwin- 249 
IV. Massnahmen 605Klein, Zivilprozeß, S.18, Hervorhebungen E. S. 606Klein, Zivilprozeß, S.18. 607Klein, Zivilprozeß, S.20. 608Klein, Zivilprozeß, S.20. 609K. k. Justizministerium, Verordnung Beantwortung 1897, S.392. Eine Replik von Seiten Kleins auf kritische Stimmen zur Fragenbeantwortung siehe Klein, Zivilpro- zeß, S.19f.; siehe auch Klang, S.84.
        

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