Masterarbeit Beat Vogt 
  
Medien vorherrschte. Dennoch basieren viele Sammlungskonzepte von Bibliotheken immer noch auf 
jener veralteten Vorstellung. Jensen (2011, S. 254-256) plädiert für neue nationalbibliothekarische 
Sammlungs- und Erwerbungskonzepte, die den neueren Entwicklungen Rechnung tragen. 
Vitiello (2001, S. 272-273) beschreibt die Entstehung von nationalen Sammlungen seit dem 17. Jahr- 
hundert und deren Entwicklungen bis ins 19. Jahrhundert. Die Deutsche Bibliothek (1991, S. 11-13) 
führt aus, was in Deutschland wo gesammelt wird. Fabian (1995, S. 19) moniert, dass die Sammeltra- 
dition der bedeutenden deutschen Bibliotheken davon bestimmt ist, dass die wissenschaftliche Litera- 
tur als die eigentliche Literatur galt und alles andere nachrangig war, so dass vieles als nicht biblio- 
thekswürdig angesehen wurde. In dasselbe Horn blàst von Lucius (2010, S. 52-53) und erwáhnt, dass 
die Sammelstrategien und Sammelrichtlinien der Bibliotheken selbst im Bereich der Trivial- und Po- 
pularkultur systematische Lücken entstehen liessen. Hagelweide (1974a, S. 114) nennt konkrete Bei- 
spiele, was als minderwertige Literatur nicht gesammelt wurde, námlich politische Tageszeitungen, 
Kochbücher, Punktier- und Traumbücher. 
Fabian (2010, S. 14) hált fest: ,.In eine Sammlung des nationalen Schrifttums gehórt daher, wie An- 
tonio Panizzi schon im 19. Jahrhundert insistierte, nicht nur das Bedeutende und Kanonisierte, das 
immer gegenwártig sein sollte, sondern auch das Ephemere und scheinbar Entbehrliche, das seinen 
Wert und seine Bedeutung unvorhersehbar offenbaren kann.* 
Leskien (2010, S. 77) meint, dass die Sammlung von Originalen unverándert eine herausragende Auf- 
gabe für eine Kulturnation bleibt, obschon der physische Besitz von Originalen an einer Stelle keine 
unverzichtbare Voraussetzung mehr für bequeme Nutzungsformen ist. Ahnlich sieht dies auch 
Hielmcrone (2008, S. 2) und hebt dennoch hervor, dass NBs Gefahr laufen, wenn sie die Zugangs- 
kontrolle zu Informationsmaterialen aus der Hand geben. 
6. (Herkómmliche) Sammelauftráge in deutschsprachigen Láündern 
6.1. Sammelauftrag in Deutschland 
Das 1885 erlassene Statut für die Kônigliche Bibliothek zu Berlin legt das Erwerbungsprogramm als 
„Aufgabe, in möglichster Vollständigkeit die deutsche und in angemessener Auswahl auch die auslàn- 
dische Literatur zu sammeln* (Fabian 1997, S. 52), fest. Dieses Statut ist der erste staatliche Auftrag, 
der an eine Bibliothek in Deutschland ergangen ist, das deutsche Schrifttum laufend und retrospektiv 
mit dem Ziel der Vollständigkeit zu sammeln. Dass die ausländische Literatur als Bezugsliteratur für 
das eigene Schrifttum dazugehörte, entsprach dem Verständnis der Epoche, die sich - ungeachtet nati- 
onalistischer Tendenzen - stets der Internationalitát des literarischen und wissenschaftlichen Lebens 
bewusst war (vgl. Fabian 1997, S. 52). 
Die Sammlung Deutscher Drucke 1450-1912 und die Deutsche Bibliothek stehen 1n enger Verbindung 
und ergänzen sich in ihrem Sammelauftrag (vgl. Mittler 1995, S. 36). Den Sammelauftrag der SDD 
fasst Leskien (2010, S. 66) wie folgt zusammen: „Im SDD-Projekt gelten in erster Linie Druckerzeug- 
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