Masterarbeit Beat Vogt 
  
ordinieren® (Surchat 1995, S. 40). Gemáàss van Trier ist die sichere Aufbewahrung des nationalen kul- 
turellen Erbes eine Aufgabe für jede NB dieser Welt (vgl. van Tner 2002, S. 1). 
Sammeln, Erschliessen, Aufbewahren und Vermitteln der nationalen Publikationen bilden Kernaufga- 
ben sámtlicher NBs. Bibliotheken mit Sammelauftrag nehmen die verantwortliche Rolle der kontinu- 
ierlichen Bewahrung des órtlichen publizierten Kulturerbes wahr. Dieser Dienst für die Allgemeinheit 
würde ansonsten von keinem kommerziellen Verlagshaus oder Medienhaus verlässlich wahrgenom- 
men werden (vgl. Sciberras 2004, S. 215). 
Die NB ist eine Einrichtung, die sich an alles erinnert, was im Land geschrieben und vertont wurde, 
und dies für die Zukunft aufbewahrt. Damit ist ein Idealtypus eines Gedächtnisses gemeint: eines, das 
nie etwas vergisst, das nichts verdrängt und das im Alter nicht nachlässt (vgl. Sälzer 2012b, S. 35). Die 
SNB ist ein „Sammelgefäss, in dem sich das Ganze der Schweiz spiegeln sollte, soweit es im Medium 
des Buches oder in verwandten Formen fassbar® (Wilhelm 1995, S. 13) ist. 
Sálzer (2012b, S. 35) áussert sich zur Archivierungsfunktion der DNB folgendermassen: 
Zentrale Aufgabe der Deutschen Nationalbibliothek ist es, von allen schriftlichen und musikali- 
schen Veróffentlichungen ein bzw. zwei Exemplare zu archivieren. Was aber, wenn es von einer 
Veröffentlichung überhaupt nur ein Exemplar gibt? Dann hat die Bibliothekssprache dafür einen 
eigenen Begriff: Archivale. Auch solche Archivalien hat die Einrichtung, nicht zuletzt durch ihre 
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Sondersammlungen, in ihrem Bestand — Urkunden, Akten, Briefe oder Fotos. ' 
Das Konzept der modemen Nationalbibliothek hat Antonio Panizzi für die ihm übertragene Bibliothek 
des Britischen Museums entworfen. Nach einem grandiosen Plan baute er die ihm übertragene Biblio- 
thek des Britischen Museums zu einem umfassenden Archiv des nationalen Schrifttums aus. ,,Not for 
the life of a man, but fort the life of the nation* (Fabian 1995, S. 14) angelegt, sollte die BL alles ent- 
halten, was in England gedruckt oder anderwárts über England publiziert worden war; dazu Sammlun- 
gen ausländischen Schrifttums, die nur den besten Sammlungen in den Ursprungslándern nachstanden. 
In ihrer Erwerbungspolitik wie in ihrem kulturellen Anspruch wurde die BL hinfort zum Vorbild, in 
Europa wie in den Vereinigten Staaten. Die möglichst lückenlose Archivierung des nationalen Schrift- 
tums verwandelte sich von einer eher beiläufigen Tätigkeit zu einer hochrangigen Aufgabe: Sie wurde 
zur selbstverständlichen Obliegenheit des Kulturstaates, aber auch zu einem fundamentalen Kriterium 
für seine Bewertung (vgl. Fabian 1995, S. 14). Weltweit scheinen NBs als zentrale Sammelstellen und 
bibliographische Zentren für Druckschriften und andere Publikationen ihres Landes, für ältere und 
neuere, eine Selbstverständlichkeit zu sein. Deutschland erweist sich insofern als Sonderfall (vgl. 
Jammers 1999b, S. 7), weil es nie über eine einzige NB verfügt hatte (vgl. Lehmann 1997, S. 61). 
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