dass in der Schweiz, die, anders als Österreich, wo der Europäischen Menschenrechtskonvention durch den Verfassungsgesetzgeber aus- drücklich Verfassungsrang zuerkannt worden war, vor einem ähnlichen Rechtsproblem stand, ebenfalls von einem «Übergesetzesrang» der EMRK ausgegangen wird.13 Die in der Literatur relevierte Frage eines möglichen «Überverfas- sungsrangs»14der EMRK hatte der Staatsgerichtshof in dieser Entschei- dung ausdrücklich offengelassen. Seit der Verfassungsrevision von 2003 können Staatsverträge vom Staatsgerichtshof allerdings auch auf ihre Verfassungskonformität über- prüft werden.15Die bereits zuvor nicht ganz unproblematische Einord- nung der EMRK in die liechtensteinische Normenhierarchie bereitet seit der Verfassungsrevision 2003 noch die grösseren theoretischen Schwie- rigkeiten. Man wird davon ausgehen müssen, dass die EMRK einen Rang zwischen der Verfassung und den einfachen Gesetzen einnimmt und ihr kein «Überverfassungsrang zukommt». Dieses Resultat teilt Liechtenstein mit den meisten anderen Mitgliedstaaten des Europarates. Die Begründung für diesen Rang in der Normenhierarchie kann darin erblickt werden, dass die von der EMRK gewährleisteten Rechte – neben den in verschiedenen weiteren Staatsverträgen16gewährleisteten Ansprü- chen – gemäss Art. 15 Abs. 1 und 2 StGHG vor dem Staatsgerichtshof 51 
Der Staatsgerichtshof und die Europäische Menschenrechtskonvention 13 Vgl. Luzius Wildhaber, Erfahrungen mit der Europäischen Menschenrechtskonven- tion, ZSR 98 II (1979), S. 329 ff., auf welchen sich beispielsweise auch Wille/Beck, Menschenrechtskonvention, S. 248, berufen. 14 Martin Batliner, Die politischen Volksrechte im Fürstentum Liechtenstein, Fribourg 1993, S. 162. 15 Diese Rechtslage ist grundsätzlich identisch mit jener nach Art. 141 B-VG. 16 Es sind dies: a) der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten; b) des Internationalen Paktes vom 16. Dezember 1966 über bürgerliche und politi- sche Rechte; c) des Internationalen Übereinkommens vom 21. Dezember 1965 zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung; d) des Übereinkommens vom 18. Dezember 1979 zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau; e) des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe.
        

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