3.Auch die kirchenrechtlichen Vorschriften wahren soweit als nur möglich die Einheit zwischen Zugehörigkeit zur Kirche und Mitglied- schaft in den öffentlich-rechtlichen Körperschaften der Landeskirchen und ihrer Kirchgemeinden. Sie zeigen auf, dass das Ergebnis der staats- kirchenrechtlichen Regelung des Kirchenaustritts, einen Austritt aus der Körperschaft, um in der Kirche mit dem Recht auf deren Dienstleistun- gen aber ohne Kirchensteuerpflicht zu bleiben, nicht zuzulassen, sich mit den innerkirchlichen Folgen weitestgehend decken. Abweichungen in ganz besonderen Ausnahmefällen vermögen diese Einheit nicht infrage zu stellen. Umso mehr als sich die Regelungen decken, erweist sich das staatskirchenrechtliche Ergebnis, auch was die Bejahung des Rechtsmissbrauchs betrifft,36als im Lichte der Religionsfreiheit in allen Teilen gerechtfertigt. Die kirchenrechtliche Regelung belegt, dass die staatskirchenrecht- lichen Körperschaften für die Kirche von Belang sind, indem der Aus- tritt aus diesen kirchenrechtliche Folgen hat, wie sie die Deutsche Bischofskonferenz mit der Zustimmung des Vatikans konkretisiert hat. Darin zeigt sich auch die tatsächliche Anerkennung der Verknüpfung von kirchlicher Zugehörigkeit und körperschaftlicher Mitgliedschaft sei- tens der Kirche, die eine wesentliche Grundlage für die Legitimation der öffentlich-rechtlichen Anerkennung darstellt.37Wenn Einzelstimmen kirchlicherseits einwenden, die öffentlich-rechtlichen Körperschaften widersprächen theologisch und dogmatisch dem Wesen der römisch- katholischen Kirche, so geht das an der Sache vorbei. Die kirchlichen Körperschaften nehmen gar nicht in Anspruch, «die Kirche» (im verfas- sungsrechtlichen Sinn) zu sein, weshalb dies auch kein Argument gegen das geltende und auch seitens der Kirche anerkannte System der öffent- lich-rechtlichen Anerkennung der Kirchgemeinden und Kantonalkir- 276Giusep 
Nay 36 Siehe S. 267. 37 Im Entscheid von 2002 erachtet das Bundesgericht den sogenannten Nexus «jeden- falls solange als zulässig», als die Organe der Religionsgemeinschaft diesen nicht ablehnen (Ziffer 1 oben). Unerörtert bleibt damit die Frage, was zu gelten hätte, wenn der Nexus seitens der Kirchenleitung ausdrücklich verneint würde. Der Staat würde den Mitgliedern der Körperschaft aus Gründen der Religionsfreiheit letztlich nicht untersagen können, auch entgegen den Auffassungen der Kirchenleitung ver- einigt zu bleiben. Dies führte dann allerdings wohl zu einer Kirchenspaltung und damit verbunden zu einer neuen Beurteilung der Voraussetzungen der öffentlich- rechtlichen Anerkennung.
        

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