Vorbild sollte das schweizerische Zivilrecht dienen. Das lag schon des- halb nahe, weil mit dem 1912 in Kraft getretenen Zivilgesetzbuch und dem erneuerten Obligationenrecht eine neue und moderne Zivilrechts- kodifikation existierte. Von dem geplanten Zivilgesetzbuch wurden allerdings nur zwei Teile verwirklicht, und zwar das Sachenrecht aus 1922 sowie das Personen- und Gesellschaftsrecht aus 1926. Die Fertig- stellung des Gesetzbuchs scheiterte vor allem daran, dass man sich über die Neukodifikation des Schuldrechts nicht einig werden konnte. Dabei ging es vor allem darum, ob an der Rezeption schweizerischen Privat- rechts festgehalten werden sollte oder ob man stattdessen beim Obliga- tionenrecht des ABGB bleiben sollte. Diese Unschlüssigkeit des Gesetz- gebers blockierte die Fortsetzung der Privatrechtsreform und sorgte dafür, dass Liechtenstein mehr als vier Jahrzehnte lang am Status quo eines aus unterschiedlichen Rechtsordnungen stammenden «Misch- rechts» festhielt. Von den Änderungen, die dem österreichischen ABGB zwischen 1938 und 1945 widerfuhren, blieb die liechtensteinische Zivil- rechtsordnung daher vorerst 
unberührt. III.Das ABGB von 1938 bis 1945 Am 13. März 1938 wurde mit dem Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich14der Anschluss an das Deutsche Reich vollzogen.15Für die sogenannte «Ostmark» bestimmte Art. II die- ses Gesetzes: 239 
Das ABGB von 1938 bis 1945: Auswirkungen auf Liechtenstein? 14 GBlÖ. 1938/1, und dRGBl. 1938 I, S. 237: Art. I. «Österreich ist ein Land des Deut- schen Reiches.» 15 Vgl. zum Folgenden Herbert Hofmeister, Privatrechtsgesetzgebung für Österreich unter der Herrschaft des Nationalsozialismus, in: Ulrike Davy u.a. (Hrsg.), Natio- nalsozialismus und Recht, Wien 1990, S. 124 ff.; Sven Bielefeldt, Österreichisch- deutsche Rechtsbeziehungen II. Rechtsvereinheitlichung im Privatrecht 1938-1945, RSWR 13, Frankfurt/Main etc. 1996, S. 15 ff.; Franz-Josef Meissel / Benjamin Bukor, Das ABGB in der Zeit des Nationalsozialismus, in: Constanze Fischer- Czermak u. a. (Hrsg.), Festschrift 200 Jahre ABGB, Bd. I, Wien 2011, S. 17 ff.; Hans-Peter Haferkamp, «Österreichisches», «Deutsches» und «Nationalsozialisti- sches» in der Rechtsprechung des Reichsgerichts zum ABGB zwischen 1939 und 1945, in: Barbara Dölemeyer / Heinz Mohnhaupt (Hrsg.), 200 Jahre ABGB (1811–2011). Die österreichische Kodifikation im internationalen Kontext, Frank- furt/Main 2012, S. 159 ff.
        

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