Einheitliche Eingriffskriterien für alle Grundrechte? Hilmar 
Hoch I.Einleitung Der Staatsgerichtshof hatte wie der österreichische Verfassungsgerichts- hof teilweise noch bis Anfang der 1990er-Jahre ein eher restriktives Grundrechtsverständnis. Entsprechend erachtete er die mit den meisten Grundrechten der Landesverfassung1verbundenen Gesetzesvorbehalte als weitgehend formelle Schranken; gesetzgeberische Eingriffe in diese Grundrechte waren zulässig, sofern sie nur vor dem Willkürverbot standhielten.2 Wesentlich beeinflusst durch die für Liechtenstein im Jahre 1982 in Kraft getretene Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK)3mit ihren bei verschiedenen Konventionsrechten ausdrücklich vorgesehenen materiellen Eingriffskriterien verschärfte auch der Staatsgerichtshof die Anforderungen für Grundrechtseingriffe.4Danach sind den vom 183 
1 Anders als der Staatsgerichtshof spricht die Landesverfassung allerdings nicht von (tendenziell nicht auf Landesangehörige beschränkten) «Grundrechten», sondern verwendet den Begriff «verfassungsmässig gewährleistete Rechte»; siehe Wolfram Höfling, Die liechtensteinische Grundrechtsordnung, LPS Bd. 20, Vaduz 1994, S. 22; Kuno Frick, Die Gewährleistung der Handels- und Gewerbefreiheit nach Art. 36 der Verfassung des Fürstentums Liechtenstein, Freiburg/Schweiz 1998, S. 147. 2 Siehe Hilmar Hoch, Schwerpunkte in der Entwicklung der Grundrechtsprechung des Staatsgerichtshofes, in: Herbert Wille (Hrsg.), Verfassungsgerichtsbarkeit im Fürstentum Liechtenstein, LPS Bd. 32, Vaduz 2001, S. 65 (67 ff.), mit weiteren Lite- ratur- und Rechtsprechungsnachweisen; siehe auch Wolfram Höfling, Schranken der Grundrechte, in: Andreas Kley / Klaus A. Vallender (Hrsg.), Grundrechtspraxis in Liechtenstein, LPS Bd. 52, Schaan 2012, S. 83 (87 Rz. 5 ff.). 3 LGBl. 1982/60. 4 Siehe hierzu auch den Beitrag von Peter Bussjäger, Der Staatsgerichtshof und die Europäische Menschenrechtskonvention, in diesem Band.
        

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