2.Verfassungsrechtliche Vorgaben In einem internationalen Vergleichsrahmen zählt die liechtensteinische Verfassung wie die österreichische Bundesverfassung grundsätzlich zu jener Kategorie von Verfassungen, die selbst zwar Interpretationsmass- stäbe, wie etwa die in Art. 14 ff. LV normierten Staatszielbestimmungen bzw. -aufgaben,172jedoch keine positivierten Interpretationsregeln ent- halten.173In Art. 104 Abs. 1 LV lässt sich zwar eine Interpretationsregel in einem weiten Sinne erkennen. Sie stellt aber keinesfalls eine Ausle- gungsmethode dar. Nach dieser Bestimmung ist der Staatsgerichtshof u.a. zuständig, Kompetenzkonflikte zwischen den Gerichten und den Verwaltungsbehörden zu entscheiden.174 3.Klassischer Auslegungskanon Fehlen positivrechtliche Interpretationsregeln bzw. -methoden, fragt es sich, nach welchen Auslegungsregeln bzw. -methoden die Verfassung und damit auch die Grundrechte legitimerweise interpretiert werden können,175denn Grundrechtsinterpretation ist Teil der Verfassungsinter- pretation, wobei die Grundrechtsauslegung auch ihre Besonderheiten aufweist.176 160Tobias 
Michael Wille 172Vgl. dazu beispielsweise StGH 1995/34, Urteil vom 24. Mai 1996, LES 1997, S. 78 (82 f., Erw. 2.2); StGH 1997/24, Urteil vom 30. Januar 1998, nicht veröffentlicht, Erw. 5; StGH 1997/25, Urteil vom 30. Januar 1998, nicht veröffentlicht, Erw. 5; StGH 2009/181, Urteil vom 18. Mai 2010, nicht veröffentlicht, Erw. 3.1; StGH 2010/70, Urteil vom 20. September 2010, nicht veröffentlicht, Erw. 3.1. 173Siehe für Österreich Gamper, Regeln, S. 101; vgl. auch Schäffer, Verfassungsinter- pretation, S. 57. 174Vgl. für Österreich Gamper, Regeln, S. 101. 175Vgl. für Österreich Schäffer, Verfassungsinterpretation, S. 57 f. 176Siehe Häberle, Grundrechtsgeltung, S. 916. Nach Ossenbühl, Interpretation, S. 2105 sind jedenfalls die vertrauten methodischen Ansätze für die Auslegung einfacher Gesetze auf die Grundrechtsinterpretation nicht ohne Weiteres übertragbar, zumin- dest nicht durchwegs verwertbar und keinesfalls ausreichend. Siehe dazu für die Schweiz auch allgemein Tschannen, Verfassungsauslegung, S. 149 ff. sowie Biaggini, Verfassungsinterpretation, S. 116; für Österreich vgl. Berka, Grundrechte, S. 72, Rz. 118.
        

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