fassungsrang».21Mitte der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts wandte sich der Staatsgerichtshof, wesentlich beeinflusst durch die EMRK, die in Liechtenstein im Jahre 1982 in Kraft getreten ist,22zu einem materiellen Grundrechtsverständnis hin. Er prüfte Grundrechts- eingriffe, insbesondere bei den klassischen Freiheitsrechten, wie der Eigentumsgarantie23und der Handels- und Gewerbefreiheit24, sowie bei den ideellen Grundrechten, wie der Meinungsäusserungsfreiheit25, fortan verstärkt im Sinne einer «modernen Grundrechtsdoktrin», d. h. nach den in der Schweiz und in Deutschland schon länger fest etablier- ten materiellen Prüfungskriterien.26Gemäss diesem materiellen Grund- rechtsverständnis anerkennt der Staatsgerichtshof heute jedenfalls auch solche Menschen- bzw. Grundrechte als «verfassungsmässig» gewähr- leistete Rechte im Sinne von Art. 104 Abs. 1 LV und Art. 15 Abs. 1 StGHG, zu deren Schutze er nach Art. 104 Abs. 1 LV und Art. 1 Abs. 2 Bst. a StGHG berufen ist, die auf einem Staatsvertrag, wie etwa der EMRK, beruhen und zwar unabhängig davon, ob diese Menschen- bzw. Grundrechte bzw. der sie verbürgende Staatsvertrag innerstaatlich, d. h. formell im Verfassungsrang27stehen.28Der Staatsgerichtshof begründet dies damit, dass den Materialien zum Staatsgerichtshofgesetz29klar zu entnehmen sei, dass auch Grundrechte, die auf Staatsvertragsrecht basie- 135 
Verfassungs- und Grundrechtsauslegung 21StGH 1978/4, Entscheidung vom 12. Juni 1978, LES 1981, S. 1 (2); vgl. auch StGH 1984/14, Urteil vom 28. Mai 1986, LES 1987, S. 36 (38, Erw. 1); siehe dazu auch Höfling, Grundrechtsordnung, S. 22. 22LGBl. 1982 Nr. 60. 23Vgl. StGH 2005/23, Urteil vom 27. September 2005, , Erw. 2.2; StGH 2011/24, Urteil vom 6. Februar 2012, , Erw. 5.1; StGH 2012/110, Urteil vom 4. Februar 2013, , Erw. 3.1. 24Vgl. StGH 1997/29, Entscheidung vom 4. September 1998, nicht veröffentlicht, Erw. 3.1; vgl. auch Frick, Handels- und Gewerbefreiheit, S. 218 ff. 25Vgl. StGH 1994/8, Urteil vom 4. Oktober 1994, LES 1995, S. 23 (26, Erw. 3). 26Siehe Hoch, Schwerpunkte, S. 71 ff.; vgl. auch Kley, Entwicklung, S. 25, Rz. 25 und Höfling, § 230, S. 805, Rz. 26; zu den materiellen Prüfungskriterien eingehend wei- ter hinten S. 154 ff. 27Zum Diskussionsstand betreffend die Rangordnung der EMRK in der liechtenstei- nischen Rechtsordnung siehe Wille T., Verfassungsprozessrecht, S. 260 ff. 28Vgl. dazu Wille T., Verfassungsprozessrecht, S. 64 ff.; siehe auch Villiger, Quellen, S. 39 f., Rz. 14 ff. 29Gesetz vom 27. November 2003 über den Staatsgerichtshof, LGBl. 2004 Nr. 32, Inkrafttreten: 20. Januar 2004. Es ersetzt das Gesetz vom 5. November 1925 über den Staatsgerichtshof, LGBl. 1925 Nr. 8.
        

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