keit als solcher immanent sind und ihr Kohärenz verleihen, den Volks- entscheiden Mass und Schranken vorgeben. Ich denke etwa, neben den Grundrechten, an Grundprinzipien jeden Rechtssystems wie das Will- kürverbot oder das Verhältnismässigkeitsprinzip. Es ginge hier, näher betrachtet, auch nicht eigentlich um «Schranken» der direkten Demo- kratie, denn die genannten Prinzipien gehören zum Grundkonsens des Rechtsstaates, dem das Volk in der Verfassung Ausdruck gegeben hat.11 Da Volksinitiativen – zweckentfremdet – immer häufiger zur Pro- paganda für partikuläre politische Ziele und zur medienwirksamen Mobilisierung der Bevölkerung missbraucht werden, besteht die Gefahr reisserischer, unsachlicher und unausgewogener Initiativtexte, die als solche nicht in eine Verfassung gehören. Entscheidungen in der Demokratie müssen nicht nur «akzeptabel» sein, sie müssen auch der «Vernunft» entsprechen. Thomas Paine, der ein- flussreiche Vordenker der amerikanischen Verfassung, sprach seinerzeit von «common sense» als einer Verbindung von «interest, reason and sentiment», und er schrieb: «However prejudice may warp out wills, or interest darken our understanding, the simple voice of nature and reason will say, it is right.»12Recht bedeutet im Gegensatz zu den Naturwis- senschaften aber nicht, wie John Rawls darlegte, «scientific truth out there», sondern vielmehr «institutionalizing public reason», um die Menschen in die Lage zu versetzen, friedlich zusammenzuarbeiten und ihre individuelle und demokratische Selbstentwicklung zu verwirkli- chen, dies als ein «public good».13Direkt-demokratische Institutionen 115 
Sine ira et studio oder: cum ira et studio 11 Vgl. Daniel Thürer, Völkerrechtliches Ius Cogens und Volkssouveränität schweize- rischer Prägung – Suche nach einem neuen «archimedischen Punkt», in: Andrea Good / Bettina Platipodis (Hrsg.), Direkte Demokratie, Festschrift für Andreas Auer, Bern 2013, S. 439 ff.; ders., Direkte Demokratie: eine Form des Widerstands?, in: Hans Herbert von Arnim (Hrsg.), Widerstand, Beiträge auf der 13. Speyerer Demokratietagung vom 27./28. Oktober 2011, Schriftenreihe der Hochschule Speyer, Bd. 215, 2012; ders., Integrative Beziehung von Völkerrecht und Landes- recht. Zu einem neuen, wegweisenden Entscheid des schweizerischen Bundesge- richts (im Erscheinen begriffen). 12 Thomas Paine, Common Sense – Of the Origin and Design of Government in General – With concise Remarks on the English Constitution, in: Mark Philip, Rights of Man – Common Sense and Other Political Writings, Oxford 2008, S. 7. 13 So Ernst-Ulrich Petersmann, International Economic Law in the 21st Century: Need for Stronger «Democratic Ownership» and Cosmopolitan Reforms, Manus-
        

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