3.2.2. Funde 
Wenn man in Betracht zieht, dass bis zum heutigen Zeitpunkt drei Ausgrabungsperioden 
stattgefunden haben und dabei die letztere eine grosse Fläche abgedeckt hat, dann darf mit 
Recht von einer mageren Ausbeutung an Funden gesprochen werden. Von der ersten Grabung 
wird berichtet, dass ein Elefantenzahn und „ein Dutzend Gräber entdeckt, dabei waren 
Skelette von aussergewóhnlicher Grósse.^* Mir ist es nicht gelungen, diese Funde heute zu 
lokalisieren, denn sie sind nicht nachweisbar. Jedoch geht man davon aus, dass es sich um 
Gráber aus frühmittelalterlicher Zeit gehandelt hat, voraussichtlich alemannische Grabstätte. 
Tatsáchlich wurden wáhrend der dritten Ausgrabungsperiode etliche Bruchstücke von Dach- 
ziegeln (Leistenziegel) und Heizungsróhren gefunden. Ein Kanaleinlauf wurde ausgebaut und 
wire eigentlich im liechtensteinischen Landesmuseum besichtbar. Desweiteren wurden ver- 
schiedene Mühlsteine ausgegraben. Auffallend ist die Menge von bearbeiteten Hirschgewei- 
hen, die vor allem fiir Kimme, Werkzeug- und Waffengriffe benützt wurden. 
Für die Datierung wichtige Funde sind auf der einen Seite die Gefässreste, vor allem solche 
die aus Lavastein gedreht sind und die römische Keramikgefässe („terra sigillata“). All diese 
Gefässe dürften aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. stammen. Auf der anderen Seite stellen die 
sechs gefundenen Münzen eine wichtige Datierungsmóglichkeit dar.”> Aus dieser Karte geht 
also hervor, dass keine Münzen vor der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts gefunden 
wurden. Somit kann mit einer gewisser Sicherheit festgesetzt werden, dass das Kastell in 
Schaan erst in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts gebaut worden ist. 
Im besonderen sei noch darauf hingewiesen, dass man bei den Grabungen im 20. Jahrhunderts 
Funde aus prähistorischer Zeit gemacht hat, nämlich einen Dolch aus stark kupferhältiger 
Bronze und einige Scherben. Deshalb kann und wird die Vermutung gehegt, dass die Fläche 
des Kastell Schaan schon in prähistorischer Zeit als Siedlungsplatz verwendet wurde. Jedoch 
kann dies nicht mit Sicherheit bewiesen werden. 
3.3. Die Geschichte der Höhensiedlung „Auf Krüppel“ ob Schaan und sein 
Rapport mit dem Kastell Schaan 
Wie bereits erwähnt, wurde das Kastell in Schaan Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. erbaut. 
Jedoch wurde in Schaan noch andere römische Mauern gefunden (durch Peter Rheinberger). 
Es handelt sich dabei um eine Höhensiedlung (auf ca. 800 Meter), die von der modernen For- 
schung mit dem Flurnamen des Ortes benannt wurde: “Auf Krüppel“. Diese Hóhensiedlung 
war ein befestigtes Refugium, in das sich die Bevólkerung bei Einfállen von Barbaren 
schützen konnte. Da ich im folgende nicht im Einzelnen auf die Grabungen und seine 
Konsequenzen eingehen werden, gebe ich einen Grabungsplan dieser Hóhensiedlung an, um 
eine kleine Vorstellung zu geben, um was es sich dabei handelt??. 
Die Ausgrabungen anfangs der sechszigerjahren des 20. Jahrhunderts haben gezeigt, dass 
dieser Ort bereits in práhistorischer Zeit als Siedlungsplatz genützt wurde, wie dies auch an 
anderen Stellen in Liechtenstein, wo práhistorische und rómische Funde am selben Ort ge- 
macht wurden, der Fall ist. 
  
24 Beck David, ,,Das Kastell Schaan", Jahrbuch des historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, 57. Band, S. 234. 
25 vgl. 5. Anhang: Kastell-Münzreihen (Karte/Abbildung 7) 
?6 vgl. 5. Anhang, Grabungsplan der spátrómischen Befestigung ,,Auf Krüppel* (Karte/Abbildung 8) 
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