Karte/Abbildung 4'® soll verdeutlichen, welche Teile ausgegraben und somit nachgewiesen 
sind und welche mit sehr grosser Sicherheit nur vermutet werden können. Im Laufe der Zeit 
wird es hoffentlich noch zu neuen Möglichkeiten für Ausgrabungen kommen, da nur ein 
kleiner Teil des Kastells ausgegraben bzw. gefunden werden konnte. 
Im folgenden werde ich eine Beschreibung des gefundenen Kastell geben, das heisst zuerst 
eine Gesamtübersicht über das Kastell und zweitens eine Beschreibung der einzelnen Bauteile 
im Innern. Hierbei werde ich mich immer wieder auf den Grundrissplan des römischen 
Kastell beziehen. ? 
Das Kastell wurde auf einem máchtigen Schuttkegel gebaut, von dem man nach Süden bis 
zum Luziensteig, nach Norden bis in den Raum Feldkirch und nach Westen den Rhein über- 
blicken konnte. Beim Kastell handelt es sich beinahe um ein quadratisches Feld mit den Mas- 
sen 57,5 Meter (Ostseite), 60,5 Meter (Nordseite), 59 Meter (Westseite), 60,5 Meter 
(Südseite). Das höchstwahrscheinlich imposanteste am diesem Bauwerk ist sicherlich die 
Dicke und die Wucht des Mauerwerks, die mit 3, 60 Meter viele andere Kastelle in der 
weiteren Umgebung schlägt. Die Aussenseiten wurden unter Verwendung mit viel Mörtel in 
Schichten aufgebaut. Wie bereits erwähnt, besass das Kastell Schaan höchstens „nur“ sieben 
Türme, deren vier an den Ecken waren, ein fünfter befand sich höchstwahrscheinlich als 
Mittelturm an der Südseite, und der sechste Turm stand als Torturm an der Nordseite. Ein 
siebter wurde als Mitteltum im Innern angenommen, jedoch niemals durch irgendwelche 
Funde bewiesen. Der Tortum ist ebenfalls sehr charakteristisch für seine Wucht und Dicke, 
denn seine Masse betragen 7,60 x 8,50 Meter. Besonders zu erwähnen sind die Aussparungen 
in den Torwangen des äusseren Tores, die zur Aufnahme eines Balkens von 30 x 30 cm 
eingemeisselt sind"? 
Im Innern des Kastells ist vor allem das Kastellbad zu nennen (Steingerechte Aufnahme des 
Bades A B C D), das sich an der Ostseite des Kastell befindet. Der Raum A gehörte zum 
Heizraum (,praefurnium^). Leider war es unmóglich, den ganzen Raum auszugraben, da die 
Sakristei der Petruskirche auf ihm gebaut wurde. Der südlich anstossende Raum B ist das 
Warmwasserbad (,,caldarium"). In diesem Raum befanden sich entlang der Innenwand eine 
Reihe von Heizróhren (,tibuli^).Aus dem Raum B wurde die Warmluft durch Kanäle in den 
Raum C, ins Laubad (,tepidarium^), geleitet. In diesen beiden Räume wurden sogenannte 
Hypokaust (7rómische Bodenheizung) gefunden Durch eine Türe an der Südseite gelangte 
man vom Raum C in den Raum D, ins Kaltbad (,frigidarium^). In diesem Raum wurde eben- 
falls einen Kalkofen gefunden. 
Westlich dieses Badekomplex befanden sich die Ráume E F G H. Leider kónnen wir nicht 
genauer auf diese Räume eingehen, da es uns an archäologischen Beweisen fehlt. Jedoch wird 
vermutet, dass es sich hierbei um Mannschaftsräume handelte, da vereinzelt Feuerstellen ge- 
funden wurden. 
Südlich diesen Mannschaftsräumen und des Kastellbades befindet sich der Raum K, in dem 
vier kleinere Feuerstellen und eine grössere gefunden wurden. Desweiteren wurden Pfosten- 
löcher entdeckt, die wohl auf einfache Ständebauten deuten. 
Bei den Ausgrabungen fand man überraschenderweise im Innern des Kastells eine Längs- 
mauer, die höchstwahrscheinlich einer späteren römischen Bauphase zugesprochen werden 
muss. Diese Längsmauer trennt den Raume K vom Raum L. Über diese Längsmauer wurde 
viel gerätselt, aber vieles spricht dafür, dass es sich um Raum L um einen Speicher 
(,,horrerum“) handelt. 
  
1* vgl. 5. Anhang: Uebersichtsplan des rómischen Kastelles (Karte/Abbildung 4) 
1? vgl. 5. Anhang: Grundrissplan des Kastell Schaan (Karte/Abbildung 5) 
?? siehe 5.2. Farbilder der Petruskirche und des Kastell Schaan (Bild 5) 
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