ten gestellt.»8Der Landesfürst löste den Landtag auf und erklärte das Ende der Legislaturperiode. Im Liechtensteiner Volksblatt war zu lesen: «Im Gegensatz zu den Abgeordneten, die nach ihrem Amtsenthe- bungsantrag eine Entlassung des Regierungschefs erwartet hatten, ist der Landesfürst der Auffassung, dass der Regierungschef bis zur Neubildung der Regierung aufgrund der Neuwahlen die Amtsge- schäfte weiterführen kann. Der Fürst sieht sich nicht als ausfüh- rendes Organ des Landtags, das nur nachvollziehen müsse, was der Landtag beschliesse. [...]Damit tritt nun die groteske Situation ein, dass der Landtag, der vom verfassungsmässigen Recht des Miss- trauensantrags gegen den Regierungschef Gebrauch machte, aufge- löst wurde, während der Regierungschef, dem das Misstrauen aus- gesprochen wurde, weiterhin im Amt bleibt.»9 Dieser Fall zeigt auf, dass sich der Landesfürst in einem Verfahren ge- mäss Art. 80 Abs. 1 durch sein Recht, den Landtag aufzulösen (Art. 48 Abs. 1 LV), zwischen Landtag und Regierung entscheiden kann. Dem- gegenüber steht dem Landtag zwar das theoretische Recht zu, einen Misstrauensantrag gegen den Landesfürsten persönlich oder eine Ini- tiative auf Abschaffung der Monarchie zu stellen. Doch handelt es sich dabei gemäss Batliner um zwei faktisch nicht wahrnehmbare Kompe- tenzen.10 Gerade hier offenbart sich die Beziehung zwischen Landtag und Landesfürst als asymmetrisch: Dem Landtag ist es nicht möglich, den Landesfürsten abzusetzen, währenddem der Fürst den Landtag eigen- mächtig vertagen oder auflösen kann. Bei den materiellen Bestimmungen steht die Gesetzgebung im Mit- telpunkt. Das Recht der Initiative steht dabei neben den wahlberechtig- ten Landesbürgern sowohl dem Landtag selbst als auch dem Landes- fürsten in der Form von Regierungsvorlagen zu (Art. 64 Abs. 1 LV). Falls aber der Landesfürst sein Recht der Gesetzesinitiative so interpre- tiert, als er der Regierung «bis ins Detail gehende Aufträge erteilt oder ein gesetzgeberisches Nachgeben hier mit Forderungen dort junktimiert 213 
Die Beziehung des Landtags zum Landesfürsten 8 Liechtensteiner Vaterland, 15.09.1993, S. 1. 9 Liechtensteiner Volksblatt, 16.09.1993, S. 1. In der Folge führte dies auch zu einer Regierungsentlassung. 10 Batliner, Verfassungsänderungsvorschläge, S. 18.
        

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