Dieser Meinung ist auch Waschkuhn: Wenn «die politische Diskussion sich mehr und mehr vom Inhalt verabschiedet, dann sind Einfallslosig- keit und Parteiverdrossenheit die Folge».238 Es ist an dieser Stelle nochmals darauf hinzuweisen, dass Liechten- stein über ein Parlament mit Abgeordneten verfügt, welche keine Spe- zialisten in Form von Berufsparlamentariern, sondern Milizparlamen - tarier sind. Somit kann die Art und Weise, wie beraten wird, als eine Form der «aufgeklärten Amateurberatung»239bezeichnet werden. Waschkuhn zieht daraus den Schluss, dass die Abgeordneten «in vielem bereits eskulpiert»240seien. Dies mag zwar eine Erklärung für manche Handlungsweisen der Abgeordneten sein, doch kann damit nicht darü- ber hinweggetäuscht werden, dass die Abgeordneten als Volksvertreter den Verfassungsauftag haben, im Landtag das Wohl des Vaterlandes ohne Nebenrücksichten nach bestem Wissen und Gewissen zu fördern (Art. 54 LV). Den Ausführungen zufolge kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die einträgliche Landtagsarbeit durch Unsachlichkeit, Par- teipolitik und mangelndes politisches Selbstverständnis leidet und die Öffentlichkeitswirkung des Landtags negativ geprägt wird. Die politi- sche Arbeit im Plenum muss wieder «weg von den sogenannten ‹Sach- zwängen›, weg von den Nebensächlichkeiten und hin ‹zur Sache› füh- ren».241Dies bedingt aber für die Abgeordneten ein stärkeres politisches Selbstverständnis gegenüber dem Mandat und der Institution Landtag. Allerdings sind nicht nur die Abgeodneten, sondern auch der Landtagspräsident in der Pflicht. Denn gemäss der jetzigen Geschäfts- ordnung muss der Landtagspräsident durch Wahrnehmung seiner Dis- ziplinargewalt auf eine standesgemässe Führung der Plenardebatten hinwirken. Er kann demnach Unsachlichkeiten und häufigen Wiederho- lungen entgegenwirken (Art. 22 GOLT).242So ist etwa in der Geschäfts- 183 
Plenum und Plenardebatte 238 Waschkuhn, System 1994, S. 277 239 Beyme, S. 237. 240 Waschkuhn, System 1994, S. 277. 241 Marti, S. 111. 242 Art. 22 GOLT beschreibt die Disziplinargewalt des Landtagspräsidenten: «1) Ent- fernt sich ein Redner zu weit von dem in Beratung stehenden Gegenstand, so er- mahnt ihn der Präsident, bei der Sache zu bleiben. 2) Verletzt ein Redner den parla- mentarischen Anstand, namentlich durch beleidigende Äusserungen, so ruft ihn der
        

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