6. Neue Parteien? Den bisherigen Ausführungen zu den Parteien folgend, könnten neue Parteien das Politikgeschehen positiv beeinflussen. Würde die hegemo- niale Stellung der Volksparteien durchbrochen, müsste im Plenum wie- der vermehrt um bessere Argumente «gekämpft» werden. Denn gerade das Gebaren der Volksparteien führt «zur Entideologisierung und Prag- matisierung»232von Politik. Gleichzeitig birgt der einer Volkspartei im- manente Charakter einer «Plattform-, Intergrations- oder Rahmen- und Sammelpartei die Gefahr der Anpassung an den Status quo, der Aus- höhlung echter Gegensätze, ihrer Kartellisierung und des Verlustes kla- rer politischer Alternativen mit sich».233 Ob es in Zukunft neue Parteien geben wird, ist fraglich. Grösstes Hindernis stellt die Sperrklausel dar, laut der eine Partei bei Landtags- wahlen acht Prozent der Wählerstimmen erreichen muss (Art. 46 Abs. 3 LV). Selbst die Freie Liste, welche seit 1985 besteht, konnte im Jahr 2009 die acht Prozent nur knapp erreichen.234 Zudem weist Liechtenstein generell eine hohe Wahlbeteiligung auf.235Deshalb könnten neue Parteien kaum neue Wähler mobilisieren, sondern müssten Wähler anderer Parteien abwerben und dabei ihre Vor- züge proklamieren, was eine Kritik der Ist-Situation bedingt. Aus die- sem Grund müsste eine neue Partei für einen Wechsel einstehen. Dies stellt bei einer zwar ansteigenden, aber immer noch geringen Anzahl an Wechselwählern ein schwieriges Unterfangen dar.236Denn gerade in Liechtenstein weist die Wählerschaft «immer noch sehr hohe und ver- mutlich auch sehr stabile Parteibindungen auf. Entsprechend gering sind nicht nur die im Aggregat festgestellten Stimmenverschiebungen, son- dern auch der in der Nachwahlbefragung registrierte Anteil an Wechsel- wählerInnen. Die Stabilitätsmomente überwiegen die Volatilität bei wei- tem.»237Zusätzlich erschwerend ist die moderate Einstellung der Wäh- 112Wählergruppen, 
Parteien und deren Rolle im Staat 232 Kluxen, S. 347. 233 Kluxen, S. 347. 234 , 26.08.2010. 235 , 14.05.2009: Die Wahlbeteiligung bei den Landtagswah- len betrug im Jahr 2009 84,6 Prozent, 2005 86,5 Prozent und 2001 86,7 Prozent. 236 Befragung Marxer. 237 Marxer, Wahlverhalten, S. 365.
        

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