falls eine Partei zu gründen.178So wurde im Dezember 1918 die Fort- schrittliche Bürgerpartei (FBP) gegründet;179das «Parteiensystem» war geboren.180 Durch die beiden Landeszeitungen war das Volk nun breiter und kritischer informiert, was ein grösseres Interesse des Volkes an der Lan- despolitik zur Folge hatte.181Die Zeitungen schufen viel Platz für Ein- sendungen aus dem Volk und entwickelten dadurch einen ausserparla- mentarischen Raum, um die eigene Politik vom Volk rechtfertigen zu lassen und ihm das Bewusstsein zu geben, gehört zu werden und selbst zu Wort kommen zu können.182 Zwischen den Parteien herrschten damals starke Gegensätze in der politischen Ausrichtung. So setzte sich die Volkspartei als Befürworterin von Parteien für ein «Liechtenstein den Liechtensteinern» ein, indem sie den Ausbau demokratischer Rechte und vermehrte Mitbestimmung in Regierung und Landtag verlangte. Weiters nahm sie in sozialen Fragen einen fortschrittlichen Standpunkt ein, forcierte eine Annäherung an die Schweiz und war der Kirche gegenüber tendenziell kritischer eingestellt. Die Bürgerpartei dagegen war gegen Parteigründungen, wollte an den wirtschaftlichen Bindungen zu Österreich festhalten und nahm in der Frage der Monarchie eine klar konservative Haltung ein.183Die Diffe- renzen zwischen den Parteien sollten jedoch nicht überbewertet werden, da sich beide Parteien grundsätzlich für die Monarchie aussprachen und sich zu den christlich-katholischen Grundwerten bekannten.184 An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Oberrheinischen Nach- richten bereits 1914 die Vertreter der späteren Bürgerpartei als «Herren- partei», das heisst als Vertreter der Interessen der Oberschicht und der Fürstlichen Wiener Hofkanzlei, etikettierten, während die Gruppe um Wilhelm Beck durch das Liechtensteiner Volksblatt als «Rote», das heisst als Vertreter sozialdemokratischen, ja sogar sozialistischen und bolschewistischen Gedankengutes dargestellt wurden. Somit sind da- mals die – heute immer noch verwendeten – Parteienbezeichnungen ge- 102Wählergruppen, 
Parteien und deren Rolle im Staat 178 Marxer, Wahlverhalten, S. 75 f. 179 Michalsky, S. 253. 180 Michalsky, S. 223. 181 Wille, Parteien, S. 64. 182 Wille, Parteien, S. 66. 183 Marxer, Wahlverhalten, S. 76 f. 184 Marxer, Wahlverhalten, S. 77.
        

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