ren sich die Mitglieder von Wählergruppen und Fraktionen jeweils aus derselben Partei. Ob es in Zukunft parteiübergreifende Fraktionen ge- ben wird, oder ob parteitechnisch inhomogene oder unabhängige Wäh- lergruppen an Landtagswahlen teilnehmen werden, wird sich 
zeigen. 2.Geschichte der Parteien Wie aus dem Abschnitt «Geschichte des Landtags» ersichtlich ist, haben das Parteiensystem und mit ihm die politische Szenerie Liechtensteins mehrere geschichtliche Phasen durchlaufen. So haben sich vor der Land- tagswahl 1914 oppositionelle Kräfte um Wilhelm Beck versammelt. Aus dieser Gruppe wuchs im Frühjahr 1918 die erste Partei Liechtensteins, die Christlich-Soziale Volkspartei, hervor.171Um das Volk anzusprechen und Auseinandersetzungen mit möglichen politischen Gegnern führen zu können, waren bereits 1913 die «Oberrheinischen Nachrichten» ge- gründet worden172, was «die Geburtsstunde der parteieigenen Zeitungen im Lande»173und die Durchbrechung des Nachrichtenmonopols des be- reits seit 1878 bestehenden Liechtensteiner Volksblatt bedeutete.174Die Oberrheinischen Nachrichten sollten nicht so sehr einer allgemeinen po- litischen Bildung dienen, sondern waren viel mehr als kritisches Organ gegenüber den politischen Institutionen des Landes und auch gegenüber dem bereits vorhandenen Presseorgan konzipiert.175Dadurch kehrte Po- litik in die liechtensteinische Presselandschaft ein.176Das Liechtensteiner Volksblatt, das sich bis dahin an der Politik der jeweiligen Regierung ori- entiert hatte, sah sich durch die Oberrheinischen Nachrichten gezwun- gen, als deren Gegenpol tätig zu werden und die Politik des Landesver- wesers und der Mehrzahl der Abgeordneten zu vertreten.177Obwohl die Kreise um das Liechtensteiner Volksblatt Parteien als unnötig erachte- ten, sahen sie sich unter dem Druck der Volkspartei gezwungen, eben- 101 
Geschichte der Parteien 171 Michalsky, S. 224. 172 Michalsky, S. 231–236. 173 Wille, Parteien, S. 64. Die Oberrheinischen Nachrichten erschienen erstmals 1914. 174 Vogt, S. 118. 175 Michalsky, S. 234. 176 Michalsky, S. 233. 177 Wille, Parteien, S. 62.
        

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