offiziellen Besuch von Regierungschef Otmar Hasler bei Bundeskanzlerin Merkel und 
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ereignete? Der letzte Besuch eines liechtensteinischen 
Regierungschefs in Berlin ging auf das Jahr 1992 zurück! Für manche Beobachter ist das zu 
viel des Zufalls und sie gehen von Planung oder doch zumindest vom Ergreifen einer Chance 
— das Vorhandensein einer CD mit Daten einer liechtensteinischen Bank — aus. Doch dies 
erklärt nach Meinung der Autorin das Timing immer noch nicht hinreichend. 
Eine andere Möglichkeit, den vorliegenden Fall auf die Frage des Timings hin zu analysieren, 
stellt unter Umständen die so genannte Actor-Network Theory (ANT — Akteurs-Netzwerk- 
Theorie) dar, wie wir weiter unten noch sehen werden. 
Wie in Kapitel 6.5.1 dargelegt, ist der Autorin bewusst, dass die einzelnen Akteure nicht so 
homogen sind, wie sie im Eichhorn-Modell aus Gründen der Komplexitätsreduktion 
dargestellt wurden. Für den Zweck unserer Analyse war es jedoch ausreichend. Wir haben die 
sehr heterogenen Akteure innerhalb der beiden Hauptakteure Deutschland und Liechtenstein 
identifiziert. Wenn wir versuchten diese noch weiter aufzugliedern und die verschiedenen 
Arenen, in denen sie agieren, aufzuzeichnen, käme die Komplexität derselben in Form von 
,Unübersichtlichkeit“ zum Ausdruck. 
Die ANT von Bruno Latour, Michel Callon und John Law strebt nach einer „möglichst 
detaillierten Rekonstruktion von Phänomenen. Ziel ist nicht die Erklärung, sondern das Ver- 
ständnis davon, wie sich bestimmte Konzepte und Ideen in einer sozialen Gruppe durch- 
setzen." (Mettig 2007, 15). Handlungen der Akteure sollen nachgezeichnet und damit besser 
verstanden werden. Die ANT wird daher auch gerne bei organisatorischem Wandel 
eingesetzt. Dies geht jedoch an unserem Hauptziel, eben genau eine Erklárung für die 
Vorginge und die Einflussprozesse zu erhalten, um auf dieser Basis neue Konzepte erstellen 
zu kónnen, vorbei. Für die Frage des Timings mag die ANT hilfreich sein, wie wir in der 
Folge sehen werden. 
Die ANT stammt ursprünglich aus der Wissenschafts- und Techniksoziologie, hat sich im 
Laufe der Zeit aber auch in anderen Forschungsfeldern etabliert, insbesondere in Bereichen 
der Wirtschaftsinformatik, Geographie sowie der Politik- und Geschichtswissenschaft. 
Im Mittelpunkt der ANT steht die Annahme, dass Akteure, Organisationen und maternelle 
Dinge als interaktive Effekte angesehen werden. Die soziale Realitát ist demnach das Ergebnis 
von Interaktionen zwischen verschiedenen Akteuren. Einzelne Akteure versuchen ihre 
Sichtweise bestimmter Probleme in einer oder in mehreren für sie wichtigen Gruppen 
durchzusetzen, indem sie andere Akteure von ihren Ansichten überzeugen, d.h. sie in ein 
,,Akteurs-Netzwerk" einbinden (vgl. Mettig, 2007, 1). 
Manchmal ist es aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht móglich, andere Akteure bzw. 
die angesprochenen Gruppen von der eigenen Sichtweise zu überzeugen, oder es wird mit 
einem Thema in einer Arena unangenehm, sodass versucht wird, das Interesse der anderen 
Akteure durch einen , Entlastungsangriff auf eine vóllig andere Arena zu lenken. Im besten 
Fall kommt es tatsáchlich zu einem ,,spill over“-Effekt von einer Arena auf eine andere. 
TI
        

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