2.4 Das Modell „Prozess gesellschaftlicher Themenstrukturierung“ nach Eichhorn 
(2005) 
2.4.1 Grundgedanke und Ziel des Modells 
Dieses Modell beschreibt den Prozess, in dem 
1. Interessengruppen ihre Forderungen formulieren und in die Medien bringen, 
2. die daraus resultierenden Medieninhalte zur Strukturierung der óffentlichen Meinung 
beitragen, und 
3. die entstandene óffentliche Meinung Auswirkungen auf die politischen Entscheidungs- 
tráger hat (vgl. Eichhorn 2005, 115f). 
Auf die Einzelheiten des Modells wird weiter unten noch detaillierter eingegangen werden. 
So will diese Master Thesis mit Hilfe des Modells von Eichhorn insbesondere analysieren: 
- Wie die gesellschaftliche Themenstrukturierung in der Steueraffáre stattgefunden hat, 
- Welche Óffentlichkeiten bzw. Akteure ihre Interessen medienwirksam durchgesetzt 
haben, und 
- Wie sich das eigentliche Kern-Issue „Steuern“ bzw. ,Steuerhinterziehung" in den 
betrachteten Medien entwickelt hat und welche Facetten priontár in den Medien 
behandelt wurden. 
Damit soll der Frage nachgegangen werden, ob und welche Móglichkeiten der Einflussnahme 
insbesondere ein Akteur eines kleinen Landes auf das transnationale Agenda-Setting der 
Medien hat oder ob er lediglich ein Spielball der Medien ist, wie von Liechtensteiner Seite oft 
angenommen wird. 
Nach Eichhorn (2005, 116) ist für die Theorie gesellschaftlicher Themenstrukturierungs- 
prozesse die Einteilung der Gesellschaft in Interessengruppen (Kollektive), deren Mitglieder 
weitgehend identische Interessen besitzen, die sich untereinander aber durch mehr oder 
weniger deutliche Interessenunterschiede auszeichnen, ganz wesentlich. Für die Zwecke 
dieser Arbeit und aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem zu untersuchenden Fallbeispiel 
„Liechtenstein und die deutsche Steueraffäre“ um zwischenstaatliche Kommunikation 
handelt, muss das Modell von Eichhorn angepasst werden. Seine Arbeit dient als Grundlage 
und Ausgangspunkt in der Untersuchung. 
Die unterschiedlichen Interessen dieser Gruppen tauchen dann im Streitfall in der sozialen 
Kommunikation der Gesellschaft — und zunehmend auch zwischen Staaten - in Form von 
Issues auf. Diese Issues wiederum konkurrieren um Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, bei 
den Medien, den politischen Entscheidungsträgern. [...] und müssen daher in ihrer 
Komplexität reduziert werden, um eine größere Chance auf Durchsetzung zu haben. Diese 
Komplexitätsreduktion [...] betrifft einzelne Issues ebenso wie die gesamte Themenstruktur. 
Die Frage, welche Probleme Aufmerksamkeit erhalten, hat Einfluss auf die Ressourcenver- 
teilung in der Gesellschaft; im Fall transnationaler Issues in zwei Gesellschaften und in 
internationalen Organisationen. 
Genau dieser Prozess soll anhand des konkreten Beispiels der Steueraffäre analysiert werden. 
Das Modell der gesellschaftlichen Themenstrukturierung identifiziert die beteiligten Akteure, 
beschreibt die generellen Funktionen sowie die Prozesse (s. Abb. 3). 
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