Zumindest zwei dieser drei Beschwerdeführer stammten ursprünglich 
aus Triesenberg.“ Aus dieser Gemeinde gab es ab dem späten 18. Jahr- 
hundert eine starke Abwanderung. Viele Triesenberger zogen in andere 
Gemeinden des Landes oder liessen sich im Ausland nieder. Der Grossvater 
von Johann Bühler war etwa um das Jahr 1775 von Triesenberg nach 
Schaan gezogen. Johann Bühler heiratete 1834 die Schaaner Bürgerin 
Maria Anna Jehle, was seine Stellung im Dorf wohl etwas verbesserte.? 
Über diesen Vorteil verfügte Alois Schádler nicht: Er hatte 1825 mit 
Maria Ursula Basler aus Pfifers (SG) eine Auslánderin geheiratet.9 Der 
Vater von Alois Schádler stammte aus Triesenberg. Die Familie Schád- 
ler lebte folglich erst in der zweiten Generation in Schaan. Dies dürfte 
die Chancen auf eine Einbürgerung erschwert haben; Schidler hatte 
offenbar schon vor Abfassung der Beschwerdeschrift erfolglos um das 
Schaaner Bürgerrecht angesucht.^* 
Binnenwanderung und Einbürgerung aufgrund 
des Freizügigkeitsgesetzes? 
Trotz der geringen Akzeptanz des Freizügigkeitsgesetzes von 1810 in 
der Bevölkerung kann ein Zusammenhang zwischen diesem Gesetz und 
einzelnen Einbürgerungen in Liechtenstein angenommen werden; denn 
das Freizügigkeitsgesetz hatte ja auch die Steigerung der persónlichen 
Mobilität zum Ziel. Diese Einbürgerungsfálle betreffen Familien und 
Personen, die innerhalb Liechtensteins ihre Wohngemeinde wechselten.“ 
So bauten beispielsweise Angehórige der Familien Bühler und Schlegel aus 
Triesenberg zwischen 1814 und 1834 in anderen Gemeinden Liechten- 
steins eine neue Existenz auf, ebenso Mitglieder der Vaduzer Familie Jáger. 
Ursache für diese Fálle von Binnenmigration war zumeist die Heirat mit 
einer Frau aus einer anderen Gemeinde. Der Ehemann liess sich in der 
Bürgergemeinde seiner Frau nieder und wurde dort Hintersasse, später 
dann auch Gemeindebürger. 
Christian Bühler, aus dem Triesenberger Ortsteil Profatscheng 
stammend, heiratete im Jahr 1803 die Maurer Gemeindebürgerin Maria 
Agatha Wanger. Bühler kaufte schliesslich 1814 ein Grundstück und ein 
Haus im Maurer Ortsteil Freiendorf. Zuerst blieb Christian Bühler Hinter- 
sasse in Mauren, die formelle Einbürgerung erfolgte spátestens mit Erlass des 
Gemeindegesetzes von 1864.7 
Ebenfalls aus Triesenberg kam die wohlhabende Familie Schlegel. Das 
Freizügigkeitsgesetz von 1810 dürfte den Wegzug einiger ihrer Familien- 
mitglieder aus Triesenberg begünstigt haben. Ihre gehobene gesellschaft- 
liche Position half ihnen auf der Suche nach neuen Lebensperspektiven. 
Josef Alois Schlegel liess sich im Jahr 1834 im zu Eschen gehórenden Ortsteil 
Nendeln nieder. Er wurde um 1835 in Eschen eingebürgert. Die Mutter 
Anna Maria war Hebamme, der Vater Franz Josef war Land- und Gastwirt 
65 
S 
c 
a 
E 
Einzig Johann Georg Negele konnte noch 
nicht genauer identifiziert werden. 
Zur Genealogie der Familie siehe Familien- 
buch Schaan 1560—1950 (Ms.): S. 21—22 
(zu Bühler) sowie S. 116 (zu Jehle): Johann 
Bühler (* 1807) und Maria Anna Jehle 
(* 1804) waren die Eltern von Andreas 
Bühler, der 1871 Maria Anna Hepperger, 
Müllerstochter aus dem Schaaner Mühle- 
holz, heiratete. 
LI LA RB A2/1825: Einkauf von Ursula 
Basler aus Pfafers (SG) in den liechtenstei- 
nischen Staatsverband. 
* Zur Genealogie der Familie vgl. Gemeinde 
Triesenberg (Hg.): Familienchronik der 
Walsergemeinde Triesenberg 1650—1984. 
Zusammengestellt von Engelbert Bucher. 
Bd. 1 — Bd. 9. Triesenberg 1986—1988., 
Bd. 9, S. 24, sowie Familienbuch Schaan 
1560—1950 (Ms.), S. 203, mit zum Teil 
einander widersprechenden Angaben. 
Alois Schádler (1792—1859) und Maria 
Ursula Basler (verstorben 1860) hatten 
neun gemeinsame Kinder. 
Zur Einbürgerung dieser Personen und 
Familien liegen — mit Ausnahme von 
Christian Bühler 1814 in Mauren und Josef 
Alois Schlegel 1835 in Eschen — keine 
schriftlichen Dokumente vor; es darf daher 
angenommen werden, dass diese Personen 
auf der Basis des Freizügigkeitsgesetzes 
automatisch eingebürgert wurden. 
Vgl. Gemeinde Mauren (Hg.): Familien- 
stammbuch Mauren. Zusammengestellt 
von Rita Meier-Falk et al. Bd. 1 — Bd. 4. 
Mauren 2004, Bd. 1, S. 40—47 (zur Familie 
Bühler), hier besonders S. 40-41. 
GAM (Gemeindearchiv Mauren) VI. 1: 
Jahresrechnungen der Gemeinde Mauren, 
1814 und 1815; im Jahr 1815 bezahlte 
Christian Bühler der Gemeinde drei 
Gulden R.W., wohl als Hintersassgeld. 
LI LA RC 50/2: Gemeinde Eschen, Bewilli- 
gung zur Vermehrung der Hausnummern 
1836, hier Hinweis in einem oberamtlichen 
Bericht an den Fürsten, 1836: «Es hat 
sich nämlich Alois Schlegel in Nendeln 
angesiedelt, als Bürger eingekauft und will 
ein neues Haus bauen.» 
  
  
  
  
  
  
   
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.