Die Familie Amelreich-Bauer lebte daraufhin für rund 15 Jahre in Latz bei 
Nenzing (Vorarlberg) und liess sich um 1816 beziehungsweise 1822 erneut? 
in Triesen nieder. Sie erhielt dort Quartier bei Martin Negele. Bei ihm 
war der Sohn, Josef Anton Bauer, einige Jahre als Knecht tätig gewesen. 
Zwischendurch stand Bauer auch beim Bischof von Chur in Diensten. 
Gemäss einer amtlichen Notiz von 1835 wurde er aber «auf diesem Dienst- 
posten nicht mehr länger geduldet, was er [Bauer] als einen grossen Verlust 
schildert.»^* Sein häufigster Aufenthaltsort in den Jahren 1838 bis 1848 
war nach amtlichen Angaben die Gemeinde Haldenstein bei Chur.? In- 
folge einer Erkrankung wurde Josef Anton Bauer schliesslich im Jahr 1848 
von Graubünden nach Triesen zurückgeschoben. Hier in Triesen wurde er 
im Haus von Johann Georg Kindle gepflegt, doch dieser wollte den Patienten 
nach dessen Genesung nicht mehr beherbergen.‘° Die Rückschiebung 
des Josef Anton Bauer von Graubünden nach Liechtenstein sowie die von 
Liechtenstein aus gewünschte Abschiebung nach Österreich verursachte in 
der Folge einen Schriftverkehr zwischen Liechtenstein und Vorarlberg zum 
bislang nicht geklärten Heimatrecht des Josef Anton Bauer.“ 
Die Staatsangehörigkeit und Heimatberechtigung Bauers war zwischen 
Liechtenstein und Österreich umstritten. Die Behörden in Vorarlberg stellten 
sich 1848 auf den Standpunkt, Bauer sei Liechtensteiner; sie verwiesen in 
diesem Zusammenhang auf die Gemeinde St. Anton, die «mit entschiedenem 
Rechte gegen die Aufbürdung dieses Individuums bloss wegen dessen 
zufälliger Geburt [in St. Anton] protestirte.»“® Das Regierungsamt in Vaduz 
gab zwar einerseits zu, dass Bauers Mutter Regina Amelreich mit ihrem über 
zehnjährigen Aufenthalt in Triesen ein gesetzliches Heimatrecht erworben 
hatte, verneinte aber andererseits ein solches Heimatrecht für den (nunmehr 
volljährigen) Sohn Josef Anton Bauer: «Als unehelicher Sohn folgte 
Joseph Anton Bauer oder Amelreich dem Heimathlande seiner Mutter 
Regina, einer Tirolerin, die ihn am 2. April 1802 bekanntlich in St. Antoni 
geboren hat, daher auch er nach der Geburt nicht Liechtensteiner, sondern 
Österreicher ist.»%* Auch die Ortsvorstehung von Triesen verweigerte in 
den Jahren 1837 und 1848 Josef Anton Bauer ausdrücklich das Heimat- 
recht ihrer Gemeinde.” 
Die ósterreichischen Behórden scheinen Josef Anton Bauer hingegen 
grundsätzlich als Angehörigen ihres Staates angesehen zu haben. Infolge der 
strikten Ablehnung von Josef Anton Bauer durch Liechtenstein blieb ihnen 
auch keine andere Wahl. Jedenfalls fertigte das Landgericht Montafon 
(Vorarlberg) bereits im Jahr 1837 an Josef Anton Bauer «zum Behufe seines 
Fortkommens in der weiten Welt die erforderlichen Reiseurkunden» aus. 
Das Landgericht Montafon unterliess aber bewusst die Ausstellung eines 
Heimatscheins, «um daraus nicht eine Anerkennung des Domizils ableiten 
zu kónnen.»! Das Kreisamt in Bregenz übernahm — nach vorgängigem 
Zögern — dann schliesslich 1853 die im Jahr 1848 entstandenen Kosten 
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Regina Amelreich folgte 1822 ihrer 
Schwester nach Triesen. 
LI LA RC 92/37: Schreiben des Land- 
gerichts Montafon an das Oberamt in 
Vaduz, 18. September 1835. 
Ebd. 
Ebd. 
LI LA RC 92/37: Josef Anton Bauer, 
Schriftverkehr wegen dessen Heimat- 
recht, 1835 bzw. 1848 bis 1852. 
LI LA RC 92/37: Schreiben des k.k. 
Kreisamts Bregenz an das Regierungsamt 
in Vaduz, 12. Juni 1848. 
LI LA RC 92/37: Schreiben des Regie- 
rungsamts Vaduz an das k.k. Kreisamt für 
Vorarlberg in Bregenz, 23. Juni 1848. 
LI LA RC 92/37: Schriftverkehr zwischen 
Bregenz und Vaduz betreffend das 
Heimatrecht von Josef Anton Bauer; 
entsprechende Schreiben vom 12. und 
vom 23. Juni 1848. 
LI LA RC 92/37: Schreiben des k.k. 
Kreisamts Bregenz an das Regierungsamt 
in Vaduz, 12. Juni 1848. 
  
  
  
  
 
        

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