1 LGBI. 1864/Nr. 3/1: Gesetz vom 
28. März 1864 Über die Erwerbung 
und den Verlust des liechtensteinischen 
Staatsbürgerrechts. 
44 Ebd,$ 1. 
MS Ehd, $2. 
M6 Ebg. $3. 
W! Ebd,, $ 4. 
M6 Ebd., $ 5. 
MS Ebd., $ 7. 
150 Eb, $6. 
5.4.3. DAS GESETZ ÜBER DIE ERWERBUNG UND ÜBER DEN VERLUST DES 
STAATSBÜRGERRECHTS VON 1864 
Gleichzeitig mit dem neuen Gemeindegesetz wurde auch das Gesetz über 
die Erwerbung und über den Verlust des Staatsbürgerrechts erlassen. Mit 
diesem Gesetz verloren die die Staatsbürgerschaft betreffenden Bestimmun- 
gen des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuchs von 1812 sowie die im 
Jahr 1843 erlassenen Verordnungen ihre Gültigkeit. ? Die wichtigste Neu- 
erung der Bürgerrechtsreform von 1864 war, dass nun das Staatsbürger- 
recht mit dem Gemeindebürgerrecht verknüpft wurde. Das heisst, jeder 
Staatsbürger musste ab jetzt auch zugleich Bürger einer Gemeinde 
sein. Anders als das Gemeindegesetz wurde dieses Gesetz vom Landtag 
diskussionslos genehmigt. Es trat bereits am 28. Márz 1864 in Kraft. Das 
liechtensteinische Staatsbürgerrecht erwarben Kinder von liechtenstei- 
nischen Staatsbürgern durch Geburt.^* Eine auslándische Frau erhielt 
die liechtensteinische Staatsbürgerschaft bei ihrer Heirat mit einem 
liechtensteinischen Staatsbürger, «ohne besondere Aufnahme».!^ 
Ausländische Personen, die liechtensteinische Staatsbürger werden 
wollten, mussten ein Gesuch bei der Regierung einreichen. Dieses Gesuch 
musste Zeugnisse über die Geburt und das bisherige Betragen, aber auch 
einen Nachweis über Vermögen und Erwerb beinhalten. Ebenso mussten 
die Gesuchsteller eine Entlassungsurkunde aus ihrem bisherigen Bürger- 
recht beilegen sowie die Aufnahmezusicherung in das Bürgerrecht einer 
liechtensteinischen Gemeinde.!'*° Die Regierung prüfte die Gesuche 
umgehend, durfte dabei auch Erhebungen über die Gesuchsteller machen 
und leitete die Bewerbungen an den Fürsten weiter. Ihm allein stand das 
Recht zur Verleihung der Staatsbürgerschaft zu.'“ 
Als Staatsbürger aufgenommene Personen hatten vor der Regierung 
einen Staatsbürgereid zu leisten. Dieser Eid wurde aber nur von volljährigen 
Männern verlangt.'% Es war keine Einkaufstaxe für die Aufnahme in 
das Staatsbürgerrecht zu entrichten. Nur in Fällen, in denen der Herkunfts- 
staat der Gesuchsteller eine Einkaufstaxe von liechtensteinischen Staats- 
bürgern und Staatsbürgerinnen erhob, konnte dies als Gegenrecht auch 
Liechtenstein verlangen.'? 
Neu wurde die Kategorie der Ehrenstaatsbürgerschaft eingeführt. 
Der Fürst konnte eine solche verleihen auf Antrag des Landtags. Besonders 
«óffentliche Diener» gelangten in den Genuss dieser Ehrenstaatsbürger- 
schaft. Sie erhielten damit das Recht zur Wahl und Wählbarkeit in den 
Landtag. Diejenigen Personen, die dieses Recht schon mit dem fürstlichen 
Erlass vom 26. September 1862 erhalten hatten, behielten dieses für die 
Dauer ihrer Dienstzeit.^? 
Liechtensteinerinnen, die einen Auslánder heirateten, verloren ihr 
bisheriges Staatsbürgerrecht und nahmen stattdessen die Staatsbürgerschaft 
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