Bedenken wie folgt: «Ich bin überzeugt, mit dem Momente, wo man der 
Gemeindeversammlung die Bestimmung der Einkaufssumme überlässt, 
hört dann das Recht des Einkaufs selbst auf und gerade Balzers wird 
diejenige Gemeinde sein, die den Einkauf eines Nichtbürgers durch das 
Bezahlen von einer überspannten Summe zur Unmöglichkeit macht.»!** 
In der anschliessenden Abstimmung nahm der Landtag den Paragrafen 
26 mit zwôlf Stimmen an; lediglich der Abgeordnete Gmelch votierte 
gegen diesen Gesetzesartikel.'^? 
Diskussion um das Recht, Heiratsbewilligungen zu erteilen 
Anlásslich der dritten Lesung des Gemeindegesetzes am 14. März 1864 
im Landtag kritisierte der Abgeordnete Wolfinger den Paragrafen 4 des 
Gesetzesentwurfs. Wolfinger vermisste das Recht der Gemeinden, eine 
Heiratserlaubnis zu erteilen: «Es heisst hier nur, die Gemeinde habe das 
Recht der Aufnahme von Gemeindebürgern, nicht von Bürgerinnen. Ich 
dáchte, dieses Recht gehóàre auch hieher, wenn es sich darum handelt, der 
Gemeindeautonomie anheim zu stellen, Bürger aufzunehmen, wie es im 
alten Gesetze bestimmt war [...]. Es handelt sich darum, Heirathen zu 
verhindern von unbemittelten, schlechtbeleumdeten Subjekten, solche 
Heirathen, welche der Gemeinde zum Nachtheil gereichen.»'** Wolfinger 
betonte, dass bei einer einheiratenden Person ein blosses Leumundszeugnis 
nicht genüge. «Darauf setze ich keinen Werth, wohl aber auf ein Vermögens- 
zeugnis», hielt Wolfinger fest.? 
Der Abgeordnete Kessler stellte daraufhin klar, dass es immer eine der 
Gemeinde übergeordnete Behórde war, welche die Heiratsbewilligungen 
erteilte. Und diese politische Behórde gebe die Heiratsbewilligung nur dann, 
wenn die Brautleute die gesetzlichen Vorschriften der Gemeinde gegenüber 
erfüllt hátten. Die Gemeinde habe weiterhin das Recht, von Heiratswilligen 
den Nachweis zu verlangen, dass sie über einen guten Leumund verfügen und 
ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten kónnen."* 
Der Abgeordnete Wolfinger entgegnete, dass er die Bestimmungen 
des Ehegesetzes nicht kenne, dass für ihn aber der Wille der Gemeinde 
Prioritit habe beim Entscheid über die Erteilung von Ehebewilligungen. 
Für Wolfinger waren die Gesetze «aus Erfahrungen erwachsen»: Daher 
«sollten [wir] unsere Gesetze auch aus Erfahrung machen, nicht leichtsinnig 
darüber hingehen und Heirathen mit Fremden zulassen»."7 Daraufhin 
rief ihn der Landtagsprásident zur Ordnung mit dem Hinweis, dass «an 
diesem Orte nicht leichtsinnig verhandelt» werde."? Schliesslich wurde 
Wolfingers Antrag, die Erteilung der Heiratsbewilligungen den autonomen 
Rechten der Gemeinde zuzusprechen, im Landtag mit neun zu drei 
Stimmen abgelehnt.'? 
Nach erschópfender Behandlung und Bereinigung der einzelnen 
Gesetzesartikel stimmte der Landtag am 14. März 1864 dem neuen 
129 
  
122 Ebd. 
123 Ebd. . 
124 | jechtensteinische Landeszeitung, Ausgabe 
Nr. 10, 7. Mai 1864, zweite Beilage. 
125 Ebd. 
V6 bd. 
17 Ebd. 
WS Ebd. 
V9 Ehd. 
  
  
  
  
  
  
  
 
        

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