5.1 HINTERGRÜNDE ZUR REVOLUTION VON 1848 
Die Ereignisse des Revolutionsjahres 1848 kamen mit dem Umsturz in 
Frankreich ins Rollen. Demonstranten forderten am 22. Februar 1848 in 
Paris eine demokratische Reform des Wahlrechts und so mehr Mitbestim- 
mung der Bevölkerung. Daraufhin eröffneten Regierungstruppen das Feuer 
auf die Demonstranten. Dies bildete den Auftakt zur Revolution. Am darauf- 
folgenden Tag war ganz Paris im Aufruhr. Bereits zwei Tage später wurde in 
Frankreich die Monarchie gestürzt und die Republik ausgerufen. Die Ereig- 
nisse in Paris hatten Signalwirkung für weite Teile Europas. Revolutionäre 
Unruhen brachen im März 1848 auch in Deutschland, Österreich, Ungarn 
und Italien aus. Gefordert wurden freiheitliche Verfassungen, nationale Par- 
lamente, die Aufhebung der Pressezensur, zudem Lehr- und Lernfreiheit in 
Schulen und Universitäten, die Gleichstellung von Glaubensgemeinschaf- 
ten und nationale Befreiung von Fremdherrschaft.? 
Den Revolten in verschiedenen Teilen Europas waren Missernten in der 
Landwirtschaft vorangegangen. Besonders die Getreideernte des Jahres 1846 
war in Mitteleuropa ausgesprochen schlecht ausgefallen. Zudem hatte die Kar- 
toffelfáulnis die Ernte um mehr als die Hälfte reduziert, was wiederum die 
Preise für Kartoffeln in die Höhe getrieben hatte. Da die Kartoffel inzwischen 
zu einem Grundnahrungsmittel in Europa geworden war, hatte der Ernteaus- 
fall verheerende Folgen. Es kam zu Hungerrevolten, so zum Beispiel zur «Kar- 
toffelrevolution» im Frühjahr 1847 in Berlin.“ 
Die Kartoffelfäulnis suchte 1846 auch Liechtenstein heim und brachte 
das Land an den Rand einer Hungersnot.” Zudem durchbrach im Sommer 
1846 der Rhein bei Vaduz die Dämme und überflutete die gesamte Talebene 
zwischen Vaduz und Bendern. Die Ernte war grossteils vernichtet, aus der 
Überschwemmung resultierte ein Schaden von rund 100’000 Gulden Reichs- 
wihrung.® Infolge des Sonderbundskriegs in der Schweiz erliess St. Gallen im 
Frühjahr 1847 darüber hinaus eine Getreidesperre gegenüber Liechtenstein.’ 
Zwar liess Fürst Alois II., der Liechtenstein im Jahr 1847 zum zweiten 
Mal besuchte, auf eigene Kosten Getreide verteilen und ordnete den Kauf von 
Saatgut an. Ausserdem erreichte er, dass Österreich die Getreideausfuhr nach 
Liechtenstein erleichterte.® Diese Notmassnahmen konnten jedoch nicht da- 
rüber hinwegtäuschen, dass Liechtenstein vorerst wirtschaftlich isoliert blieb. 
Das Fürstentum war von Zollschranken umgeben, Liechtenstein und Óster- 
reich blieben zudem vom preussisch geführten Deutschen Zollverein und von 
dessen Freihandelszone ausgeschlossen. Ein 1847 gestelltes Ersuchen von Fürst 
Alois II., Liechtenstein dem ósterreichischen Zollgebiet anzuschliessen, ging 
in den Revolutionswirren des Jahres 1848 unter. Erst im Jahr 1852 folgte der 
Zollvertrag mit Ósterreich, der Liechtenstein aus der Isolation befreite und dem 
Fürstentum zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf? 
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Brigitte Mazohl-Wallnig: Die Revolution 
1848 aus europaischer Sicht. In: Arthur 
Brunhart (Hg.): Revolution 2000, 
S. 19-36, hier S. 21-22. Besonders die 
unter der österreichischen Herrschaft 
stehenden Gebiete Ungarn, Böhmen, 
Kroatien, Lombardei und Venetien 
drängten auf nationale Befreiung von der 
verhassten Fremdherrschaft. 
Kurt Wernicke: ... der betretene Weg 
der Unordnung. «Kartoffelrevolution» in 
Berlin. In: Vorstand des Luisenstádtischen 
Bildungsvereins e.V. (Hg.): Berlinische 
Monatsschrift, Ausgabe 1997/Nr. 4, - 
S. 19-23. 
Peter Geiger: Geschichte 1970, S. 38. 
Rupert Quaderer: Politische Geschichte 
1969, S. 114-115. 
Peter Geiger: Geschichte 1970, S. 38. 
Ebd. 
Ebda., S. 39 und S. 186—214. 
  
  
 
        

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