Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
52
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000341258/61/
der Embryo kann sich auf das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche Unversehrtheit berufen; darüber hinaus ist eine Grund- rechtsträgerschaft auch für andere grundrechtliche Schutzgüter, etwa die Eigentumsgarantie, denkbar.17Eine Relativierung des personellen Schutzbereichs der Grundrechte nach Massgabe von qualitativen Krite- rien wie Selbstbewusstsein, Reflexionsfähigkeit oder Ähnliches stellt ge- rade die existentiellen grundrechtlichen Gewährleistungen zur Disposi- tion. Dies aber wird der Funktion von Grundrechten nicht gerecht.18 Mit dieser Feststellung ist indes noch keine Aussage darüber ge- troffen, ab wann man im grundrechtlichen Sinne von einer natürlichen Person als Grundrechtssubjekt sprechen kann. Während das schweizeri- sche Bundesgericht sich bislang nicht zur Frage des Beginns des Lebens geäussert hat, hat das deutsche Bundesverfassungsgericht schon relativ früh einen weit ausgreifenden Lebensschutz bejaht und «jedenfalls» ab Nidation einen solchen anerkannt.19Nach zutreffender Auffassung ist präzisierend festzuhalten, dass auch schon die befruchtete menschliche Eizelle Grundrechtssubjekt ist, bereits ein sich selbst organisierendes, dynamisches und autonomes biologisches System.20 Für das 
Endeder Grundrechtsfähigkeit wird oftmals auf den mit dem Tod des Menschen gleichgesetzten Ganzhirntod abgestellt.21Die unterschiedlichen Begründungen für diese sog. Hirntodkonzeption vermögen allerdings aus verfassungsrechtlicher Perspektive nicht zu überzeugen. Abzustellen ist vielmehr auf den irreversiblen Herz-Kreis- lauf-Tod.22Das – wie auch immer näher konkretisierte – Ende der Grundrechtsfähigkeit schliesst im übrigen nicht aus, dass bestimmte 61 
Träger der Grundrechte 17Siehe Weber-Dürler, Grundrechte, Rz. 3; zusammenfassend für die deutsche Dis- kussion etwa Huber, Grundrechtsträger, Rz. 6 ff. 18Näher hierzu Höfling, Von Menschen und Personen, S. 363 ff.; zustimmend etwa Huber, Grundrechtsträger, Rz. 7 f. 19Siehe BVerfGE 39, 1 (37); ferner 88, 203 (251). 20Dazu mit weiteren Nachweisen etwa Höfling Wolfram, Biomedizinische Auflösung der Grundrechte?, Bitburger Gespräche, Jahrbuch 2002/II, 2003, S. 99 (103 ff.); ders., Reprogenetik und Verfassungsrecht, Köln 2001, S. 15 ff. 21Siehe etwa für Österreich Kucsko-Stadlmayer, Strukturen, Rz. 24; für die Schweiz Weber-Dürler, Grundrechte, Rz. 5, und BGE 98 I a 508, 514 ff.; BGE 123 I 112, 128. 22Hierzu näher Höfling Wolfram, Ums Leben und Tod – Transplantationsgesetzge- bung und Grundrecht auf Leben, in: JZ 1995, 26 ff.; ders., in: ZBJV 1996, S. 787 ff.; ders., in: Bondolfi Alberto / Kostka Ulrike / Seelmann Kurt (Hrsg.), Hirntod und Organspende, Basel 2003, S. 81 ff.89
        

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