Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
52
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000341258/275/
schweizerischen Lehre differenzierter behandelt und das Bundesgericht anerkennt in engen Grenzen einen Anspruch auf «Gleichbehandlung im Unrecht».113 Auch die liechtensteinische Rechtsprechung gewährt unter engen Voraussetzungen einen Anspruch auf «Gleichbehandlung im Unrecht»: «Dieser Grundsatz [der Anspruch auf Gleichbehandlung im Un- recht] verbietet, dass einzelne Rechtsunterworfene in Abweichung von einer an sich gesetzwidrigen Praxis gesetzesgemäss behandelt werden, wenn die gesetzmässige Praxis nicht beibehalten wird.»114 Ein Anspruch auf «Gleichbehandlung im Unrecht» existiert daher nur, wenn eine Behörde über einen längeren Zeitraum in konstanter Recht- sprechung vom Gesetz abweicht und wenn die Behörde zudem in einem Fall gesetzmässig entscheidet, aber zu erkennen gibt, dass sie die gesetz- mässige Praxis in Zukunft nicht konsequent fortführen will.115Unter diesen zwei kumulativen Voraussetzungen kann der einzelne Bürger ver- langen, dass er von der Behörde gleich behandelt wird, das heisst eben- falls in Abweichung vom Gesetz («rechtswidrig») begünstigt wird.116275 
Rechtsgleichheit und Grundsatz von Treu und Glauben 113Vgl. dazu Auer, L’égalité, S. 290 ff.; Auer / Malinverni / Hottelier, Band II, Rz. 1066 ff.; Weber-Dürler, Anspruch, S. 19 ff.; Weber-Dürler, Gleichheit, Rz. 37 ff.; Häfelin / Haller / Keller, Bundesstaatsrecht, Rz. 772; Müller G. zu Art. 4 aBV, Rz. 45 ff.; Häfelin / Müller / Uhlmann, Verwaltungsrecht, Rz. 518 ff.; Tschannen / Zimmerli / Müller, Verwaltungsrecht, § 23 Rz. 18 ff. 114StGH 2001/72, Entscheidung vom 24. Juni 2002, LES 2005, S. 74 (80). Vgl. ferner StGH 1992/13–15, Urteil vom 23. Juni 1995, LES 1996, S. 10 (19); VBI 2000/64, Entscheidung vom 25. Juli 2000, LES 2000, S. 185 (188); VGH 2003/107, Entschei- dung vom 19. November 2003, LES 2004, S. 178 (180). 115Vgl. StGH 1998/47, Urteil vom 22. Februar 1999, LES 2001, S. 73 (79); StGH 1992/13–15, Urteil vom 23. Juni 1995, LES 1996, S. 10 (19). 116Der Staatsgerichtshof übernimmt damit für die «Gleichbehandlung im Unrecht» die Rechtsprechung des schweizerischen Bundesgerichts. Vgl. etwa: BGE 115 Ia 81 E. 2 S. 83; BGE 127 I 1 E. 3 S. 2 ff. Siehe auch Häfelin / Haller / Keller, Bundes- staatsrecht, Rz. 772; Müller G. zu Art. 4 aBV, Rz. 45 ff.; Weber-Dürler, Gleichheit, Rz. 37 ff.; Häfelin / Müller / Uhlmann, Verwaltungsrecht, Rz. 518 ff.; Tschannen / Zimmerli / Müller, Verwaltungsrecht, § 23 Rz. 17 ff.44 45
        

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