Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
52
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000341258/20/
ständnisse in Kraft blieben, so etwa die Befreiung vom Mühlzwang, die Fronen sowie gewisse ewige Bodenlasten. Es handelte sich hier zwar nicht um Menschenrechte, aber um wichtige Zugeständnisse, welche die Stellung des Individuums verbesserten. Sie können also in gewisser Weise als grundrechtsnah angesehen werden. 2.Verfassung von 1862 Zu Beginn der 1860er Jahre führten die meisten Staaten des deutschen Bundes freiheitlichere Verfassungen ein. Liechtenstein folgte nicht so- gleich nach; Fürst Alois starb 1858 und zunächst regierte die Fürsten- mutter. Das Liechtensteiner Volk fürchtete deshalb, ohne Fürsten zum «Waisenkind im grossen Vaterlande» zu werden.21Als Fürst Johann II. 1860 im Alter von 20 Jahren die Regentschaft antrat, ergriff er sogleich die Initiative. Allerdings erwies sich die Ausarbeitung einer Verfassung als schwierig, weil sich die Landstände nicht mit dem kopierten österrei- chischen Vorbild begnügen wollten. Schliesslich resultierte 1862 eine Verfassung, die sich in ihrem Wortlaut an verschiedene süddeutsche Ver- fassungen anlehnte. Der Landtag und der Fürst nahmen die Verfassung an. Liechtenstein folgte damit endgültig einem ausgeweiteten Konstitu- tionalismus, der in sich den Keim zu einer vertieften aufklärerisch- rechtsstaatlichen Entwicklung aufwies. Bei der Verfassung von 1862 handelte es sich um eine Vollverfas- sung mit Grundrechtskatalog und vollständigem Staatsorganisations- recht.22Selbstverständlich begann die Verfassung im Ersten Hauptstück mit der Regierung des Fürsten (§§ 1–3). Dieser stand nach wie vor aus- serhalb der Verfassung; § 3 verwies dementsprechend auf die Hausge- setze. Im zweiten Hauptstück waren die allgemeinen Rechte und Pflich- ten der Landesangehörigen normiert (§§ 4–22). Die Pflichten und die Regelung der Staatsangehörigkeit zeigen das Vorhandensein des Ver- tragsdenkens:23§ 4 verpflichtete die Aufenthalter zu Beachtung der Gesetze, im Gegenzug erhielten diese auch den gesetzlichen Schutz. 20Andreas 
Kley 21Vgl. Geiger, Volksvertretung, S. 39. 22Text: Beiträge zu Volksrechten, S. 273 ff. 23Vgl. zum Paktgedanken Batliner, Einführung, S. 33. 
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