Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
52
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000341258/182/
wenden.59Solange die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung einer der christlichen Religionen angehört, ist wohl auch davon auszugehen, dass ein Kreuz als Raumschmuck im Allgemeinen auf keinen Wider- spruch stossen wird.60 Beim Schulgebet ist die Problemlage eine andere. Sofern ein Schul- gebet in den öffentlichen Schulen verrichtet wird, ist es Praxis, dass Schüler und Schülerinnen, die daran nicht teilnehmen wollen, dem Schulgebet fernbleiben können. Im Übrigen ist das Schulgebet nicht Be- standteil des allgemeinen Schulunterrichts. Beim Schulgebet handelt es sich lediglich um eine gemeinsame mit dem Lehrer oder der Lehrerin ausgeübte religiöse Betätigung, wobei die Schule nur den äusseren Rah- men für das Schulgebet abgibt, so dass sich in dieser Hinsicht keine be- sonderen Fragen stellen. Auch religiöse Eidesformeln,61soweit sie in gerichtlichen Verfah- ren noch anzutreffen sind,62lösen in der Praxis keine Probleme aus. Sie können von der schwörenden Person weggelassen werden. 2.1.2Gewissensfreiheit Die Gewissensfreiheit schützt den inneren Bereich menschlicher Über- zeugung und beinhaltet das Recht, diese sowohl in religiöser als auch in weltanschaulicher Hinsicht zu bilden, zu besitzen und zu ändern bzw. nicht zu bilden, zu besitzen und zu ändern. Es handelt sich mit anderen Worten um eine innere Freiheit, die selbst dann geschützt wird, wenn sie nicht nach aussen tritt. Sie lässt sich auch nicht in einen religiösen und säkularen Teil aufspalten.63 182Herbert 
Wille 59Siehe zur Regelung in Bayern nach der Entscheidung des Bundesverfassungsge- richts (BVerfGE 93, 1) Rux Johannes, Positive und negative Bekenntnisfreiheit in der Schule, in: Der Staat 1996, S. 523 (545 f.). 60Der konkrete Konfliktfall zwischen positiver und negativer Religionsfreiheit dürfte wohl nach dem Prinzip der Konkordanz zwischen den verschiedenen verfassungs- rechtlich geschützten Rechtsgütern zu lösen sein. 61Vgl. Art. 54 Abs. 2 und 108 LV; siehe dazu Wille H., Recht, S. 92, und Walter Ch., Gewissensfreiheit, Rz. 49. 62Siehe § 336 Abs. 2 Ziff. 5 bis 7 Zivilprozessordnung (ZPO; LR 271.0); in § 122 Straf- prozessordnung (StPO; LR 312.0) heisst es beispielsweise nurmehr, dass der Zeuge seine Aussage zu beschwören habe. 63Hafner, Gewissensfreiheit, Rz. 15, unter Bezugnahme auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 119 Ia 184) und die Botschaft des Bundesrates über den 
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