Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
51
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000328142/92/
Robert Schütze 
Der Völkerbund sollte auf einem Vertrag gegründet sein. Dieser foedus 
pacıficum wäre die Quelle allen Völkerrechts als eines Rechts auf Frie- 
den. Allerdings würde der Vertrag die Föderation nicht mit «irgend ei- 
ner Macht des Staats» ausstatten. Die Gliedstaaten müssten sich nicht 
«öffentlichen Gesetzen, und einem Zwange unter denselben, unterwer- 
fen». Ihre Souveränität bliebe uneingeschränkt. Ein Völkerbund — als 
Bund von Staaten — war kein Vôlkerstaat. Und auch wenn die Idee einer 
«Weltrepublik» wünschenswert war, die kulturelle Verschiedenheit der 
Menschheit würde aus dieser bald eine Welt-Despotie machen 2! Die so- 
ziale Realitàt war nicht reif für die Idee des Volkerstaats. Deshalb zog 
Kant der «positiven Idee» der Weltrepublik den Staatenbund als «nega- 
tives Surrogat» vor. 
3. Die amerikanische Tradition: 
der «Mischbegriff» des Fóderalismus 
Die klassische Fóderalismustradition dominierte das 18. Jahrhundert. 
Nur vor diesem ideengeschichtlichen Hintergrund kónnen wir die se- 
mantische Revolution verstehen, die am Ende jenes Jahrhunderts in 
Amerika begann. Die erste amerikanische Verfassung selbst folgte noch 
dem internationalen Begriff der fóderalen Idee. Die «Artikel der Konfó- 
deration und Ewigen Union» gründen 1777 die «Vereinigten Staaten von 
21 L Kant, Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber 
nicht für die Praxis, in: I. Kant, Werke in zwölf Bänden - Band 11 (Suhrkamp, 1977), 
169-70: «So wie allseitige Gewalttätigkeit und daraus entspringende Not endlich ein 
Volk zur Entschließung bringen mußte, sich dem Zwange, den ihm die Vernunft 
selbst als Mittel vorschreibt, nämlich dem öffentlicher Gesetze zu unterwerfen, und 
in eine staatsbürgerliche Verfassung zu treten: so muß auch die Not aus den bestän- 
digen Kriegen, in welchen wiederum Staaten einander zu schmälern oder zu unter- 
jochen suchen, sie zuletzt dahin bringen, selbst wider Willen, entweder in eine welt- 
bürgerliche Verfassung zu treten; oder, ist ein solcher Zustand eines allgemeinen 
Friedens (wie es mit übergroßen Staaten wohl auch mehrmalen gegangen ist) auf ei- 
ner andern Seite der Freiheit noch gefährlicher, indem er den schrecklichsten Des- 
potismus herbei führt, so muß sie diese Not doch zu einem Zustande zwingen, der 
zwar kein weltbürgerliches gemeines Wesen unter einem Oberhaupt, aber doch ein 
rechtlicher Zustand der Föderation nach einem gemeinschaftlich verabredeten Völ- 
kerrecht ist.» 
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