Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
51
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000328142/65/
Förderale Verfassungsräume und -kulturen in historischer Perspektive 
nisse sichtbar zum Ausdruck. Auf Bundesebene konzentriert wurden 
vor allem militärische Angelegenheiten und die dafür notwendige Fi- 
nanzierung. Dafür nicht nötige Kompetenzen waren bei den Kantonen 
angesiedelt. Deren Verfassungen waren, nach den Erfahrungen mit dem 
gescheiterten Entwurf von Malmaison, in der Mediationsakte enthalten. 
Die Mediationsakte enthielt keine Verfahren für ihre Novellierung. Die 
demokratische Legitimation der Mediationsakte ist dürftig; von Napo- 
leon entworfen und durchgesetzt, erinnert sich ein wenig an eine ok- 
troyierte Verfassung. 
Die Mediationsakte schwächte den Zentralstaat derart, dass man 
versucht ist, die Schweiz der Mediationszeit als Staatenbund zu bezeich- 
nen. Dem ist entgegen zu halten, dass den Kantonen die Verfassungsho- 
heit vorenthalten wurde. Die kantonalen Verfassungen bilden den 
Hauptteil der Mediationsakte. Wie diese waren sie daher unabänder- 
lich.!7 Wenngleich anzuerkennen ist, dass die Mediationsakte die Kan- 
tone unterschiedlich organisierte und auf gewisse Traditionen Rücksicht 
nahm, auch derart, dass die alten Führungsschichten wieder an die 
Macht kamen, so bleibt die Mediationsakte dennoch ein Rechtsakt des 
Bundes. Damit war den Kantonen ihr Staatsaufbau, unterschiedlich de- 
tailliert, vorgegeben. Die Kantone waren mit weitreichenden Befugnis- 
sen ausgestattet, aber wohl keine Staaten, die Souveränität für sich bean- 
spruchen konnten. Nur zynisch könnte man dem entgegen halten, dass 
auch die realen Spielräume der Eidgenossenschaften die der Kantone 
nicht überstiegen. Es ist daher wohl korrekt festzustellen, die Bundes- 
verfassung der Meditationsakte enthalte bundesstaatliche und staaten- 
bündische Elemente.!$ 
Die Mediationsakte verschwand mit ihrem Schópfer: Am 29. De- 
zember 1813 stellte eine Konferenz der Kantone, die sich als Eidgenós- 
sische Versammlung konstituiert hatten, lakonisch fest, dass die Media- 
tionsakte keinen Bestand mehr hatte. Sie formalisierten, ohne im übrigen 
dazu kompetent zu sein, deren stillschweigendes Ausserkrafttreten, das 
unmittelbar mit dem Sturz Napoleons einsetzte. 
17 Uri, Schwyz und Zug ergánzten immerhin, mit Genehmigung der Tagsatzung, ihre 
Verfassungen durch Nachtráge; Luzern, Freiburg und Schaffhausen erliessen, auf 
Gesetzesstufe, sog. organische Gesetze, in denen die Grundzüge ihre Staatsorgani- 
sation geregelt wurden; dazu His, Geschichte (wie FN 10), S. 59. 
18 So zuletzt Fankhauser, Andreas, Mediation, Stiftung Historisches Lexikon der 
Schweiz (Hrsg.), Historisches Lexikon der Schweiz, Bd. 8, S. 407 ff. hier, S. 408. 
65
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.