Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
51
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000328142/225/
Repräsentation von Kleinstaaten: Deutscher Bund, Paulskirche, Mediatisierung 
grössere und auch manche kleine Länder des Reiches fort, zwar nicht 
mehr selbständig, aber mit gewisser Eigenständigkeit, so auch Länder 
der ehemaligen 16. Kurie des Deutschen Bundes. Zwar waren die Fürs- 
tentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen ab 
1850 preussisch, ebenso Hessen-Homburg ab 1866. Aber die Fürstentü- 
mer Lippe, Schaumburg-Lippe, Reuss älterer Linie, Reuss jüngerer Linie 
sowie die mit Pyrmont vereinigte Landgrafschaft Waldeck wurden 1871 
Gliedstaaten des Deutschen Kaiserreiches, 1919 republikanische Frei- 
staaten des Deutschen Reiches unter der Weimarer Verfassung. Reuss äl- 
terer Linie und Reuss jüngerer Linie, ab 1908 in Personalunion regiert, 
hatten 1919 als kurzzeitige Freistaaten zum «Volksstaat» Reuss fusio- 
niert, der sich seinerseits schon 1920 mit sechs weiteren neuen kleinen 
Freistaaten (den ehemaligen Herzogtümern Sachsen-Weimar-Eisenach, 
Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Gotha sowie den 
Fürstentümern Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sonders- 
hausen, alle ebenfalls zuvor Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes und 
dann des Deutschen Kaiserreiches) zum Land Thüringen vereinigte. An- 
dere ehemalige Mitglieder der 16. Kurie des Deutschen Bundes blieben 
in der Weimarer Republik Freistaaten, so Schaumburg-Lippe, Lippe und 
Waldeck. Der Freistaat Waldeck fiel 1929 an Preussen, seit 1946 ist Wald- 
eck Teil des Bundeslandes Hessen. Die Freistaaten Schaumburg-Lippe 
und Lippe wurden 1946/47 Teil des Landes Nordrhein-Westfalen. So 
sind heute die Territorien der ehemaligen kleinen deutschen Staaten 
noch etwa Verwaltungseinheiten auf der Kreisebene innerhalb eines 
Bundeslandes in der Bundesrepublik Deutschland, die ihrerseits Mit- 
glied der Europäischen Union ist. 
Anders das Fürstentum Liechtenstein. Es hat selbständig überlebt, 
als winziger, souveräner Kleinstaat, als geschichtlicher Sonderfall gewiss: 
Am äussersten Rande Deutschlands, von diesem ab 1866 durch Oster- 
reich abgetrennt, zwischen zwei nichtexpansiven Nachbarn gelegen, 
wirtschaftlich lebensfáhig dank staatsvertraglichem, freundnachbar- 
lichem Einbezug in den Wirtschaftsraum erst Österreichs (1852 bis 
1919), dann der Schweiz (seit 1923), schliesslich der EFTA (seit 1960 
bzw. 1991) und des EWR (seit 1995), dank Verschonung vor Krieg seit 
  
48 Zur knappen Übersicht über die Geschichte der einzelnen kleinen Mitgliedstaaten 
des Deutschen Bundes siehe die betreffenden Artikel wie «Lippe», «Waldeck» etc. 
in www.wikipedia.de. 
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