Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
51
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000328142/212/
Peter Geiger 
sische König. Die von den anwesenden 23 Monarchen und Vertretern 
der Freien Städte beschlossene Reformakte — vorgelegt vom österrei- 
chischen Kaiser Franz Josef und massgeblich mitgestaltet vom Freiherrn 
von Linde - wurde nicht realisiert. Dennoch ist von Interesse, zu sehen, 
wie der reformierte Bund hátte aussehen sollen. Die Reformakte sah 
nicht nur ein Bundesdirektorium als Exekutivorgan und einen engeren 
Bundesrat (áhnlich der engeren Bundesversammlung) vor, sondern über- 
dies zwei weitere Organe, nàmlich eine Versammlung von 302 Abgeord- 
neten der Parlamente der Bundesglieder — darin war ein Sitz Liechten- 
stein zugeteilt — sowie eine Versammlung der Fürsten und Freien Städte 
— darin stand ein Platz dem Fürsten von Liechtenstein zu. Allerdings wä- 
ren diese zwei Versammlungen nur alle drei Jahre zusammengetreten. 
Doch auch dieser Reformanlauf scheiterte.! 
IL. Das Votum der 16. Kurie am 14. Juni 1866 
Werten wir nun einen Blick auf die bedeutendste, schicksalsschwere Ab- 
stimmung in der Bundesversammlung, jene vom 14. Juni 1866. Mit ihr 
zerbrach der Bund. Das Gewicht der 16. Kurie im Bund war in der Re- 
gel gering. Anders aber 1866, als am 14. Juni die Bundesexekution gegen 
Preussen beschlossen und der preussisch-ósterreichische Konflikt in den 
Deutschen Krieg mündete. Dieser endete bekanntlich mit der Nieder- 
lage Osterreichs und der mit ihm verbündeten Staaten, und in kurzen 
Schritten realisierte sich die «kleindeutsche» Lósung der deutschen Eini- 
gung. Osterreich fiel aus Deutschland heraus - und Liechtenstein mit, 
wegen seiner extremen Randlage. 
Am 14. Juni 1866 fand in Frankfurt die entscheidende Abstimmung 
statt. Wie stimmte die 16. Kurie? Wie kam das Votum zustande, und was 
bewirkte es? Das Abstimmungsverhalten der 16. Kurie von 1866 gab zu 
Kritik und Polemik Anlass. Linde war nicht stimmführend, aber von 
Fürst Johann II. instruiert, mit Osterreich gegen Preussen zu stimmen. 
Auslóser der Krise war der Einmarsch Preussens in Holstein gewesen, 
12 Protokolle der Frankfurter Fürstenversammlung vom 16. Aug. bis 1. Sept. 1863, alle 
von Fürst Johann II. von Liechtenstein mit unterzeichnet, Osterreichisches Staats- 
archiv, Haus- Hof- und Staatsarchiv, Wien, P. A. II 101, Fürstenkongress Frankfurt 
1863. — Geiger, Geschichte, S. 366. 
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