Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
51
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000328142/131/
Supranationalität in geschichtlicher Perspektive 
Bündnis zwischen Volk einerseits und Staaten als Bündnisgliedern ande- 
rerseits ist diese Möglichkeit hingegen mitgedacht. Die Gewichte zwi- 
schen den Bündnisgliedern als der einen Legitimationsgrundlage und 
dem Volk als der anderen können verschoben werden. Das Volk kann an 
Bedeutung gewinnen, und die Staaten können ihre Staatlichkeit allenfalls 
gar einbüssen und dennoch weiterhin Partner des Grundlagenvertrages 
bleiben, wie das in modernen Bundesstaaten der Fall sein kann. 
Was waren und woher stammten die Grundideen der Konfôdera- 
uon? Eine zentrale Inspirationsquelle waren die Schriften Samuel von 
Pufendorfs.^s Seine Überlegungen zu den verschiedenen Arten vólker- 
rechtlicher Vertráge haben in den Konfóderationsartikeln Spuren hinter- 
lassen. Pufendorf hatte in De ture naturae et gentium libri octo (1672) 
über die Schaffung von «ewigen Vertrágen» nachgedacht und dabei zwi- 
schen einfachen und auf Dauer gestellten Verträgen unterschieden. Die 
Konföderationsartikel heissen nicht zufällig The Articles of Confedera- 
ton and perpetual Union Between tbe Staates. Auch die Idee der geteil- 
ten Souveränität, die Pufendorf ebenfalls entwickelte, beeinflusste die 
Schöpfer sowohl der Konföderationsartikel als auch der späteren Ver- 
fassung. 
Eine andere wichtige Inspirationsquelle waren die Arbeiten von 
Emerich de Vattel. Vattel hatte sich in seinem Hauptwerk Droit des 
gens, ou principes de la loi naturelle appliqués à la conduite et aux affai- 
res des nations et des souverains (1758) mit der Effektivität von Selbst- 
verteidigungsbündnissen auseinandergesetzt. Er betrachtete Bündnisse 
sowohl von ihrem militärischen als auch ihrem ökonomischen Wert her 
und hatte einen Sinn für das Zusammenspiel von Sicherheitsbedüfnissen 
und ökonomischen Arrangements. Eine seiner bevorzugten Ideen war, 
dass Wirtschaftsprivilegien zu Gunsten von Bündnispartnern zur 
Schwächung von Rivalen eingesetzt werden können. Vattel empfahl eine 
Kombination von Sicherheitsallianz und ökonomischer Integration. 
  
45 Ernst-Wolfgang Böckenförde, Geschichliche Entwicklung und Bedeutungswandel 
der Verfassung, in: ders., Staat — Verfassung - Demokratie, 2.A., Frankfurt a. M. 
1992, S. 39 ff. Bóckenfórde weist darauf hin, dass die bündische Grundstruktur nur 
so lange besteht, wie die Souveränität der Glieder nicht vollständig durch jene des 
Bundes absorbiert wird (ebd., S. 40 f.). 
46 Smith, a.a. O. (Anm. 15), S. 264 ff. 
47 Smith, a.a. O. (Anm. 15), S. 261 ff. 
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