Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
51
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000328142/129/
Supranationalität in geschichtlicher Perspektive 
Er war gekennzeichnet durch sehr weitgehende Zuständigkeiten der 
Konföderation. Die kollektive Handlungsfähigkeit hatte gegenüber den 
Interessen der Einzelstaaten Vorrang. Nach überwiegender Einschät- 
zung war der Entwurf zu zentralistisch. Er bildete im Wesentlichen die 
konservative Position ab, deren Hauptanliegen eine starke Zentralgewalt 
mit grossen Handlungsspielräumen insbesondere im Bereich der Krieg- 
führung war. Eine Garantie der Souveränität der Staaten war nicht vor- 
gesehen. Schon im August 1776 zeichnete sich ab, dass auch tiefgreifende 
Korrekturen das Scheitern des Entwurfs nicht würden verhindern kön- 
nen. Die Frage, ob es überhaupt zu einer Konföderation kommen 
würde, war in dieser Phase zeitweilig offen?» Neben Angst vor zu gros- 
ser Macht der Zentralregierung drohten vor allem die Sklavenfrage und 
Territorialfragen die Allianz auseinanderzureissen. Die Debatten wur- 
den teilweise unterbrochen, weil der Kongress fliehen musste. Er zog 
von Philadelphia nach Lancaster und von da aus weiter nach York in 
Pennsylvania. 
Die Zeit arbeitete gegen die zentralistisch eingestellten Konservati- 
ven. Die Auffassung, dass die Stellung der eben erst zu Staaten gewor- 
denen Kolonien wirksamer geschützt werden müsse, gewann zuneh- 
mend an Boden. Ein entzentralisiertes Bündnis entsprach vor allem den 
Vorstellungen der Liberalen. Die überwiegend aus dem Süden stammen- 
den Liberalen betrachteten den Schutz von Freiheit und Eigentum als 
primäre Aufgabe der öffentlichen Gewalt.” Sie machten sich für eine 
Garantie der staatlichen Souveränität stark, wollten die Aufgaben der 
Zentralgewalt auf das Wichtige und Unentbehrliche beschránken. Diese 
- zuweilen auch als radikal bezeichnete — Position setzte sich in vielen 
Punkten durch. Die Stellung der Staaten wurde durch verschiedene Si- 
cherungen geschützt. Zentral und für die Konfóderation in negativem 
Sinne schicksalhaft war, dass die Konfóderation in vollstándiger finan- 
35 Amar, a. .a. O. (Anm. 28), S. 26. 
36 . Freedman, Fresh Look (Anm. 11), S. 800. 
37 . Der Gegensatz zwischen Zentralisten und Antizentralisten war weitgehend iden- 
tisch mit dem Gegensatz zwischen konservativer und liberaler Position. Er be- 
stimmte auch die Jahre um die Unionsgriindung, als sich die Zentralisten Federalists 
und die Antizentralisten Antifederalists nannten. Die Antifederalists stammten vor 
allem aus dem Süden. Sie sahen in einer starken Zentralregierung eine Bedrohung 
des Rechts auf Eigentum, das ihre Rechte an den Sklaven sicherte. Sklavenarbeit war 
eine tragende Säule der Ökonomie in den Südstaaten. 
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