Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
51
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000328142/100/
Robert Schütze 
Der Menschenverstand erfindet leichter neue Dinge als neue Wör- 
ter. Das ist der Ursprung so vieler unpassender und unzureichen- 
der Begriffe. Wenn mehrere Nationen einen ewigen Bund schmie- 
den und dabei eine hóchste Instanz errichten, welche — wenn 
sie auch nicht wie ein Nationalstaat (gouvernement national) auf 
private Bürger durchgreifen kann — dennoch auf jeden Gliedstaat 
als politische Ordnung wirkt, so nennen wir diese Ordnung fóde- 
ral. Eine andere Gesellschaftsordnung wird spáter entdeckt, in wel- 
cher sich mehrere Staaten bezüglich bestimmter gemeinsamer Inte- 
ressen vereinen, wahrend sie im Hinblick auf alle anderen Interes- 
sen verschieden, also nur «fóderal», bleiben. Hier kann die Zen- 
tralmacht direkt auf die Regierten einwirken; sie verwaltet und 
richtet selbst, auch wenn in einem beschränkten Kreise, wie ein 
Nationalstaat. Offensichtlich handelt es sich hier nicht mehr um 
eine «Bundesrebublik», Es ist in Wahrheit ein unvollendeter Natio- 
nalstaat. Auf diese Weise hat man eine Gesellschaftsordnung ent- 
deckt, die weder ganz national noch ganz föderal ist. Leider gibt es 
das neue Wort, das wir bräuchten, um dieses nene Ding auszudrü- 
cken, noch nicht.“ 
Anstatt eines «neuen Worts» für das «neue Ding» war es das neue Ding, 
für welches bald das alte Wort stehen würde! Mit dem «Sprechakt» der 
amerikanischen Verfassung von 1787 verlässt die föderale Idee die klas- 
sische Tradition und assoziiert nunmehr den Föderalismus mit dieser 
Mischung aus internationalen und nationalen Ordnungsstrukturen. Die 
verfassungsrechtliche Realität der Vereinigten Staaten wurde selbst zum 
fóderalen /deal.** Was definiert dieses Ideal? Es findet seinen Grund- 
pfeiler in dem Gedanken der geteilten Souveränität. Das amerikanische 
System ist durch die «Präsenz zweier Souveräne» charakterisiert.“ Fö- 
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Ibid., 271-75 (Hervorhebungen durch den Verfasser). 
Dies ist zumindest in der angelsáchsischen Verfassunglehre der Fall, siehe: K.C. 
Wheare, Federal Government (Oxford University Press, 1953), 11-2: «Since the 
United States is universally regarded as an example of federal government, it justi- 
fies us in describing the principle, which distinguishes it so markedly and so signi- 
ficantly, as the federal principle.» 
A. de Tocqueville (Fn. 43), 287.
        

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