Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/76/
historischen Bedingungen für die aussergewöhnliche Normenvielfalt im liechtensteinischen Zivilrecht erforscht und die Auswirkungen der Re- zeption auf die Rechtssetzung und die Rechtsprechung untersucht wer- den sollten. Im Zentrum der Forschungsarbeit stand das liechtensteini- sche ABGB, an dem sich – wie es der langjährige Präsident des Fürstlich liechtensteinischen Obersten Gerichtshofs, Franz Gschnitzer, so präg- nant formulierte – «die Problematik der Rezeption in allen Einzelheiten studieren lässt».39In dem 2008 publizierten Resultat dieses Forschungs- projekts40schliesst sich an eine ausführliche Darstellung der Rezeptions- geschichte41eine detaillierte Untersuchung der vom liechtensteinischen Gesetzgeber praktizierten Form der Rechtssetzung anhand der etappen- weise durchgeführten ABGB-Reformen sowie eine Analyse der sich aus der Rezeptionspraxis ergebenden Problematik für die Rechtsprechung der liechtensteinischen Gerichte.42 Die Aufarbeitung der Rezeptionsgeschichte im liechtensteinischen Zivilrecht lässt nicht nur Schlüsse auf die besondere Bedeutung zu, die der Rezeption im Rechtsleben eines Kleinstaates zukommt, sondern sie vermittelt auch Erkenntnisse und – daraus resultierend – Empfehlungen für eine bestmögliche Gestaltung der aktuellen Gesetzgebungspraxis. Deren Problematik besteht vor allem darin, dass den Rezeptionsgrund- sätzen – unveränderte Rechtsübernahme wo möglich, Adaptionen wo nötig – meist zuwenig Beachtung geschenkt wird. Die des Öfteren zu beobachtende «leichte Hand» bei der Auswahl der Rezeptionsgrundlage mit dem Augenmerk auf der punktuell attraktiver erscheinenden Rege- lung ohne Rücksicht auf Rechtssystematik und Regelungszusammen- hang führt in der Rechtspraxis nicht selten zu komplexen Anwendungs- und Auslegungsfragen. 76Elisabeth 
Berger 39Franz Gschnitzer, Rechtsleben im Kleinstaat, in: Heinz Barta – Karl Kohlegger – Viktoria Stadlmayer (Hrsg.), Franz Gschnitzer Lesebuch, Innsbruck 1993, S. 547 ff. (Zitat: S. 551). 40Elisabeth Berger, Rezeption im liechtensteinischen Privatrecht unter besonderer Be- rücksichtigung des ABGB, SLR 16, Schaan 2008. Die 2. Aufl. wird 2011 als Band 14 der von Thomas Vormbaum im LIT-Verlag herausgegebenen Schriftenreihe «Rechtsgeschichte und Rechtsgeschehen» erscheinen. 41Wertvolle Anstösse hierzu gab der Beitrag von Wille, wie Fn 20, S. 613 ff. 42Siehe hierzu auch Elisabeth Berger, Normenvielfalt im liechtensteinischen Privat- recht, in: Gerald Kohl – Christian Neschwara – Thomas Simon (Hrsg.), Festschrift für Wilhelm Brauneder zum 65. Geburtstag, Wien 2008, S. 29ff., insb. S. 37 ff.
        

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