Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/322/
baut, dass ihnen schliesslich eine wesentliche Rolle bei der Gesetzge- bung, der Bildung, Kontrolle und Fortbestand von Regierungen (parla- mentarische Verantwortlichkeit der Regierung) sowie bei der Beschluss- fassung über den Staatshaushalt (Budgethoheit) zukam. Neben dem Machtgewinn der Parlamente kam es auch zu einer Ausweitung des Wahlrechts, die schliesslich zur Verwirklichung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts für Männer und Frauen (Demokratisierung) führte. Am Ende dieses Prozesses konnte die Krone nicht mehr ohne das – vom Volk gewählte – Parlament handeln, damit war auch die Souveränität vom Monarchen auf das Volk übergegangen: Von einer «königlichen Macht» kann man nirgendwo [in der EU] mehr sprechen. Die Könige von Gottes Gnaden haben den Köni- gen «von Verfassung» bzw. von Volkes Gnaden Platz gemacht. Auch wenn sich die Verfassungstexte darüber ausschweigen, so sind in der Praxis alle Monarchien Demokratien und parlamentari- sche Systeme.34 Als vorläufiges Fazit kann somit festgehalten werden, dass im heutigen europäischen Verständnis35Monarchie nur im Rahmen einer Demokra- tie zu rechtfertigen ist und nur vor diesem Hintergrund von der Kom- patibilität dieser beiden Prinzipien ausgegangen werden 
kann. 3.Herausforderungen der Demokratie Seit Beginn des neuen Jahrtausends häufen sich die Diagnosen, die eine Krise der Demokratie feststellen. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel konstatiert, dass obschon das politische Ordnungssystem der Demokratie normativ gesehen ohne überzeugende Alternativen sei, die- ses von Zeit zu Zeit erheblichen realpolitischen Herausforderungen und Gefährdungen ausgesetzt sei. Diese führten jedoch nicht deterministisch zu einer Krise, sondern könnten auch als Katalysator für Anpassungs- 322Zoltán 
Tibor Pállinger 34Kimmel (2000), S. XXII. 35Die beiden Fürstentümer Liechtenstein und Monaco stellen mit der starken Stellung der monarchischen Komponente bis zu einem gewissen Grade abweichende Mo- delle dar. Doch auch in diesen beiden Staaten wurde im Laufe der Zeit die Monar- chie stärker an das demokratische Element zurückgebunden.
        

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