Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/281/
2005), kann die FL ausserdem zum «Zünglein an der Waage» werden und theoretisch sowie allenfalls auch praktisch zur Mehrheitsbeschaffe- rin aufsteigen. Ihr droht aber bei volatilem Wahlverhalten auch der kom- plette Mandatsverlust. Mit 8,9 Prozent der Stimmen meisterte sie 2009 die 8-Prozent-Hürde nur knapp. Bei angestauter Unzufriedenheit können sich selbst relativ treue Parteiwählerinnen und -wähler von ihrer angestammten Partei abwen- den. Dies trifft besonders dann zu, wenn eine Grosspartei in der Haupt- regierungsverantwortung steht und daher besonderer Kritik ausgesetzt ist. Die Schwelle zum Parteienwechsel ist mit schwächer werdenden Par- teibindungen gesunken. Von solchen Wähler/innen hat beispielsweise die FBP 2001 starken Zulauf erhalten, da sich in der ablaufenden Regie- rungszeit von Regierungschef Mario Frick einige Problembereiche ange- häuft hatten. Die FL fungiert in diesem Wählertransfer besonders häufig als eine Art Drehscheibe: Unzufriedene ehemaliger Wähler/innen der VU und der FBP wählen aus Protest oftmals lieber die FL als die tradi- tionelle Konkurrenzpartei – oder sie gehen gar nicht zur Wahl. Entspre- chend höher ist die Wählerfluktuation bei der FL. Während die VU und die FBP beachtliche Wiederwahlquoten von 80 bis über 90 Prozent auf- weisen, geben in den Nachwahlumfragen nur rund 70 bis 80 Prozent der Wähler/innen, die bei den vorangegangen Wahlen FL gewählt hatten, an, diese Partei wieder gewählt zu haben. Die FL gewinnt bei den Wahlen in Relation zu ihrer Grösse jeweils überdurchschnittlich viele Stimmen von anderen Parteien dazu, sie verliert aber auch immer überdurchschnittlich viele Stimmen. Die Wirksamkeit der Parteibindungen kann nur sehr beschränkt mit ideologischen Positionen der Parteien erklärt werden. Vielmehr re- sultiert sie bei den beiden etablierten Grossparteien aus der Tradition. Die ideologischen Unterschiede sind tatsächlich gering. Das Parteien- spektrum präsentiert sich insgesamt als quantitativ und qualitativ wenig pluralistisch und stark auf die politische Mitte hin orientiert. Selbst die FL besetzt gemäss Wahlprogrammanalysen22wie auch gemäss Befra- gung der Wählerinnen und Wähler keine extremen Linkspositionen. Eine klar deklarierte Rechtspartei oder rechtspopulistische Partei fehlt gänzlich. Die Häufung in der politischen Mitte äussert sich auch in der 281 
Wahlverhalten und Wahlforschung in Liechtenstein seit 1986 22Marxer 2009b.
        

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