Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/280/
Die ökonomische Wahltheorie ist vor dem Hintergrund der anhal- tenden Effektivität der Parteibindungen in Liechtenstein ebenfalls wenig erklärungskräftig. Die in Tabelle 2 weiter oben ausgewiesene Bedeutung der Wahlprogramme für den individuellen Wahlentscheid unterstreicht dies. Nur rund 10 bis 15 Prozent der Wähler/innen der VU und der FBP geben bei den verschiedenen Wahlbefragungen das Wahlprogramm als Hauptgrund für die Wahl dieser Parteien an. Detailliertere Datenanaly- sen, die hier nicht weiter ausgeführt werden können, bestätigen diesen Befund. Bei der FL beträgt dieser Wert je nach Wahl zwischen 33 und 55 Prozent, sodass in diesem Fall eher von einem Wahlverhalten gemäss der Theorie des rationalen Wählens gesprochen werden 
kann. Wechselwahlverhalten Bei den grossen Volksparteien beeinflussen, wie gesehen, in erster Linie die Parteibindungen, in zweiter Linie die Kandidierenden – insbeson- dere auf Ebene Regierung – und erst nachrangig das Wahlprogramm den Wahlentscheid. Das heisst nun allerdings nicht, dass unterschiedliche Leistungen der Vergangenheit und programmatische Vorstellungen zur Zukunftsgestaltung bedeutungslos wären. Zwar stellen wir bei der Ana- lyse der Parteibindungen und des Wahlverhaltens fest, dass rund 70 Pro- zent der Wähler/innen Parteibindungen aufweisen und in der Regel im- mer die gleiche Partei wählen. Entscheidend für den Wahlausgang sind aber weitgehend die Wählerinnen und Wähler ohne Parteiidentifikation. Dieses volatile Segment der potentiellen Wechselwähler/innen ist in der langfristigen Tendenz hier wie anderswo wachsend und beträgt in Liech- tenstein derzeit rund 30 Prozent. Bei diesen Volatilen fällt das Gewohn- heitsmotiv bei der Wahl einer bestimmten Partei weg, sodass die vergan- genen Leistungen der Parteien, die Attraktivität der Kandidierenden, der überzeugende Auftritt im Wahlkampf, das programmatische Verspre- chen für die Zukunft, somit also die Kandidaten- und Sachorientierung, eventuell auch noch internationale Ereignisse oder spezifische Eliteem- pfehlungen den Ausschlag für den Wahlentscheid geben. Da das Kräfte- verhältnis zwischen den beiden Grossparteien in Liechtenstein eng ist, genügt bereits ein massvoller Parteienwechsel dieser Wählergruppe, um das Mehrheitsverhältnis zwischen den beiden Grossparteien zu kippen. Falls keine Partei die absolute Mehrheit erreicht (Frühjahr 1993 und 280Wilfried Marxer
        

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