Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/261/
dung mit dem «Fanatismus einer Volksbewegung» er befürchtete. Aus dieser bedrohlichen Symbiose sah er in seiner Zukunftsahnung die «Henkersknechte des Mordes» hervorgehen.26In klugen Vergleichen früherer Kriege mit denen der Gegenwart kam er zu dem Ergebnis: «Die Welt verträgt den modernen Krieg nicht mehr. Er kann sie nur verstüm- meln. Frieden bringen kann er nicht mehr.» Deshalb überraschte ihn des «Endresultat des Weltkrieges» nicht: «Rohe Amputationen und neue Komplikationen, unauflösbarer als zuvor, eine Fracht des Elends und der Verwilderung der Zukunft.»27 Johan Huizinga sah sich trotz seiner bitteren Zeitdiagnose nicht als ein Pessimist. Er schrieb gegen Oswald Spenglers 
Untergang des Abend- landes, vor allem aber schrieb er gegen die «Lehre vom ungezügelten Machtstaat». Er forderte Askese im Sinne «der gemässigten Schätzung von Macht und Genuss.»28Er plädierte, ohne dies in den Vordergrund zu rücken, für die Wertschätzung des Kleinen,29dem sein Übersetzer Werner Kaegi bald darauf, 1942, seine «Historischen Meditationen» widmete: Vergangenheitsvergegenwärtigung in einer Zeit, in der «ein Volk nach dem andern im gewaltigen Sturm dieses Krieges ver- schwand».30Jacob Burckhardts hartes Diktum, «man kann nicht ein kul- turell bedeutendes Volk sein wollen und zugleich politisch bedeutend»31, erhielt für Kaegi angesichts der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges eine bedrängende Aktualität. Und nicht nur für ihn. 1940 sprach der Histo- riker Fritz Ernst auf einer Finnland-Gedenkstunde in Zürich — Finn- land musste damals als Ergebnis eines von der Sowjetunion provozierten Krieges Teile seines Territoriums abtreten, ohne dass der Friedensvertrag von Moskau seine staatliche Existenz gesichert hätte — über «Die Sen- dung des Kleinstaats.» Er definierte ihn als die «Lebensform des zwar eingefügten, aber zugleich selbstverantwortlichen Individuums»und plä- 261 
Grösse – ein Ideal und seine Widersacher im 19. und 20. Jahrhundert 25J[ohan] Huizinga: Im Schatten von morgen. Eine Diagnose des kulturellen Leidens unserer Zeit. Deutsch von Werner Kaegi. Zürich-Leipzig: Gotthelf-Verlag 5. durch- gesehene Auflage 1936 (1. Aufl. 1935), 9. 26Ebd. 128, 139. 27Ebd. 155. 28Ebd. 194, 196 29Ausdrücklich dazu auch in: Huizinga: Im Bann der Geschichte. Betrachtungen und Gestaltungen. Amsterdam: Akademische Verlagsanstalt Pantheon 1942, 191ff. 30Kaegi, Meditationen, Vorwort. 31Zitiert in: Kaegi: Der Kleinstaat im europäischen Denken, ebd. 313.
        

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