Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/242/
Die Grundrechte der Verfassung von 1862 boten insgesamt nur ei- nen unvollkommenen Schutz: Es bestand keine Gerichtsbarkeit, welche einzelne Streitfälle beurteilen konnte. Ferner unterstanden etliche Grundrechte schon gemäss Verfassungstext (§ 8 Abs. 2, § 18) dem Ge- setzesvorbehalt. Die Verfassung von 1862 machte im Wesentlichen zu- nächst eine symbolische Konzession an die Idee der Individualfreiheit. Freilich konnten die Fürsten des Deutschen Bundes damals nicht ahnen, dass sie bereits auf dem Weg einer Verrechtlichung der Staatsgewalt wa- ren, die auch ihre souveräne Rechte beschränken sollte. § 122 der Ver- fassung von 1862 sollte schon wenige Jahre nach seinem Inkrafttreten obsolet werden; die kleindeutsche Lösung ab 1866 bzw. 1870 hob die Ordnung von 1815/1820 und mit ihr das Schiedsgericht auf.28Liechten- stein blieb neben Luxemburg als einziges deutsches Fürstentum ausser- halb der kleindeutschen Lösung übrig. Die kleindeutsche Lösung führte auch zu einer staatsrechtlichen Umbildung Österreichs. Österreich gab sich 1867 ein Staatsgrundgesetz im Geist des Konstitutionalismus, das sich aus verschiedenen Einzelerlas- sen zusammensetzte.29Ihm stimmten Krone und Volksvertretung zu. We- sentlich war vor allem das Staatsgrundgesetz von 1867 über die allgemei- nen Rechte der Staatsbürger,30das über die prekären Gewährleistungen der liechtensteinischen Verfassung von 1862 hinausging. Österreich unter- nahm so bereits einen grösseren Schritt in Richtung Konstitutionalismus. 3.Verfassung von 1921 Nach dem Ersten Weltkrieg brachen das deutsche und das österrei- chische Kaiserreich zusammen. Beide Länder entwickelten sich zu bun- desstaatlichen Ordnungen, geordnet in der Weimarer Reichsverfassung von 1919 bzw. dem österreichischen Bundes-Verfassungsgesetz von 1920. Der Erste Weltkrieg führte auch in Liechtenstein zu Umwälzun- gen: Es entstanden politische Parteien, die Gesellschaft begann sich aus- 242Andreas 
Kley 28Wilhelm Brauneder, Österreichische Verfassungsgeschichte, 9. Aufl., Wien 2003, S. 153. 29Gosewinkel / Masing (Anm. 2), S. 1503 ff. mit allen Staatsgrundgesetzen je vom 21. Dezember 1867. 30Vgl. Brauneder (Anm. 28) S. 155.
        

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