Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/192/
EFTA, die Anpassung des Zollvertrages mit der Schweiz und die gleich- berechtigte Mitgliedschaft im EWR eröffneten Liechtenstein einen Mit- telweg zwischen politischer Isolierung und Erosion der Staatlichkeit ei- nerseits und Aufgabe der auf rechtlichen Standortvorteilen ruhenden lu- krativen Nischenwirtschaft andererseits. Die möglichen Szenarien im Falle einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs und der Finanzdienst- leistungen untersuchte Doris Frick in ihrer vom Liechtenstein-Institut geförderten Dissertation.68 Nach dem 1995 erfolgten EWR-Beitritt Liechtensteins führte Heiko Prange in den Jahren 1997–99 eine erste empirische Bestandes- aufnahme durch.69Obwohl die Umsetzung des EWR-Acquis nicht ab- geschlossen war und noch eine Reihe von Übergangsfristen bestanden, überwogen in der Einschätzung der Wirtschaftsakteure, wie bereits er- wähnt, die Vorteile des EWR. Die liechtensteinische Wirtschaft sah sich für den verschärften Wettbewerb gut gerüstet. «Liechtensteins EWR- Mitgliedschaft hat zudem das Bewusstsein gestärkt, die Wirtschaft di- versifizieren und notwendige Strukturreformen (...) durchführen zu müssen.»70Die Europäisierung brachte zudem Chancen für neue Ge- schäftsfelder, beispielsweise im Versicherungssektor, und Linderung für den chronisch ausgetrockneten liechtensteinischen Arbeitsmarkt. Wie die Erfahrungen der Schweiz in den 1990er Jahren zeigten, wäre «bei ei- nem EWR-Nein Liechtensteins nicht einfach alles beim Alten geblie- ben».71 Neben diesen rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Analysen wurde Liechtensteins Teilhabe am europäischen Integrationsprozess auch aus politikwissenschaftlicher Perspektive erforscht. Angesichts der anhaltenden politischen Veränderungen in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges war die Integrationsfrage trotz Mitgliedschaft im EWR nach wie vor von grosser Bedeutung für das Fürstentum. Sieglinde Gstöhl untersuchte, wie sich ein Kleinstaat im Wechselspiel von Vertie- 192Sieglinde 
Gstöhl und Christian Frommelt 68Frick, Doris, Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs und der Finanzdienstleistun- gen in der EG und im EWR: Szenarien für Liechtenstein, St. Gallen: Dissertation Nr. 1411 an der Hochschule St. Gallen, 1993. 69Prange, Liechtenstein im Europäischen Wirtschaftsraum, op.cit.; sowie Prange, Heiko (Hrsg.), Zwischen Bern und Brüssel: Erfahrungen Liechtensteins im Euro- päischen Wirtschaftsraum, Chur / Zürich: Rüegger, 1999. 70Prange, Liechtenstein im Europäischen Wirtschaftsraum, op.cit., S. 154. 71Ibid.
        

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