Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/191/
gen jedoch, dass auch in Bezug auf das sektorielle Integrationsniveau eine zunehmende Verflechtung mit der EU entsteht, die von den EWR/EFTA-Staaten mittelfristig eine Neubewertung der nationalen Europapolitik verlangt. 4.Beitrag der Forschung am Liechtenstein-Institut Die ersten Studien am Liechtenstein-Institut über die integrationspoliti- schen Optionen des Fürstentums waren juristische Gutachten in den Jahren 1991–92. Es ging damals insbesondere um die Frage, ob und wie Liechtenstein am EWR teilnehmen kann, aber auch eine EG-Mitglied- schaft wurde untersucht.66Der Europa- und Völkerrechtler Thomas Bruha stellte 1990 die These auf, dass «auf lange Sicht gesehen die inter- nationale Anerkennung eines Staates davon abhängen wird, ob er willens und fähig ist, im Zusammenwirken mit anderen Staaten und den an Be- deutung zunehmenden internationalen Organisationen die nur gemein- sam zu bewältigenden Probleme der Welt in den unterschiedlichsten Formen der Kooperation und der Integration wahrzunehmen».67Liech- tenstein sollte Integrationswilligkeit demonstrieren und sich schrittweise den berechtigten Kooperationswünschen europäischer Staaten öffnen, als Ausgleich jedoch die seiner Kleinheit geschuldeten legitimen Sonder- interessen verteidigen können. Durch den späteren EWR-Beitritt hat sich das Fürstentum in der Tat der europäischen Rechtsangleichung, auch im Bereich des Finanzdienstleistungsmarktes, nicht verschlossen, im Gegenzug aber auch die notwendigen Sonderregelungen, insbeson- dere bezüglich der Freizügigkeit, durchsetzen können. Der Beitritt zur 191 
Liechtenstein vor der Herausforderung der Europäisierung 66Leibfried, Helmut, Die Stellung Liechtensteins innerhalb verschiedener europäi- scher Integrations-Szenarien, Gutachten, Bendern: Liechtenstein-Institut, 30. 8. 1991; Bruha, Thomas, Vereinbarkeit einer EWR-Mitgliedschaft Liechtensteins mit dem Zollanschlussvertrag, Gutachten, Bendern: Liechtenstein-Institut, Juni 1990; Bruha, Thomas, Rechtsfragen eines sogenannten Vierten Weges, Arbeitspapier, Ben- dern: Liechtenstein-Institut, 4. 11. 1992; Bruha, Thomas, Institutionellrechtliche Anforderungen einer EG-Mitgliedschaft Liechtensteins auf der Ebene der Gemein- schaftsorgane, Gutachten, Bendern: Liechtenstein-Institut, 13. 8. 1992. 67Bruha, Thomas, «Liechtenstein im europäischen Integrationsprozess», in: Geiger, Peter und Arno Waschkuhn (Hrsg.), Liechtenstein: Kleinheit und Interdependenz, LPS 14, Vaduz: Verlag der LAG, 1990, S. 205.
        

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