Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/16/
die Suche nach unserer Identität schöpfen könnten. Den Sinn für Grenzen! Ralph Kellenberger, Forschungsbeauftragter am Liechtenstein-In- stitut und Autor der dort entstandenen Publikation «Kultur und Identi- tät im kleinen Staat» schrieb 1996: «Der Kleinstaat – und nicht nur er – wird gut beraten sein, sich nicht allzu sehr auf ein Identitätsverständnis zu fixieren, welches vornehmlich durch Abgrenzung, durch (Über-)Be- tonung von Besonderheiten und Eigentümlichkeiten gekennzeichnet ist. Die fixe Idee könnte sich rasch als Phantom entpuppen. Sonderfallbe- wusstsein mag hier zwar Identitätselement sein, doch Sonderfälle gibt es inzwischen unzählige, selbst in der Europäischen Union. Und eine ein- malige Geschichte hat auch jeder – Staat wie einzelner.»10Spezifischer erwähnt er «ein weiteres Kriterium, welches dem Kleinstaat eigen ist und dessen Sinn für Grenzen ausdrückt: «Grössenverträglichkeit». Und kri- tisch zitiert er, dass der Massstab Grössenverträglichkeit nicht bloss auf der Geben-Seite gelten sollte.11 Und dann kommt das Wirtschaftliche. Wir haben uns angewöhnt in den vergangenen fünf Jahrzehnten, uns über den wirtschaftlichen Er- folg zu identifizieren, uns als erfolgreichen «Standort» zu definieren, als wendigen Kleinstaat mit Souveränitätsvorteilen, eine Monarchie kombi- niert mit direkter Demokratie, mit Anbindung an und begünstigender Zusammenarbeit mit unseren Nachbarstaaten, insbesondere der Schweiz, was alles Vorteile – zuvorderst spür- und sichtbar – materieller Natur gebracht hat. Doch genügt dies für einen Staat, der so wenig Eigengewicht in Fläche, Bevölkerung, materieller Macht mitbringt, um langfristig zu überleben? Genügt dies für ein kleines Volk, das sich eine eigene Identi- tät und sein Selbstverständnis stets wieder zu schaffen hat mit Zusam- mengehörigkeit und Überlebenswillen? Es braucht ein Volk, das seine «eigenen Werte und Weltanschauung aufrecht zu vertreten weiss und das Gesicht des Landes bestimmt.»12 16Guido 
Meier 10Kellenberger, Ralph, 1996 ARCult Media, Bonn, 1996 Seite 8 11Ebenda Seite 97 12Gerard Batliner, zitiert aus Georg Kieber Aus dem Zusammenhang gerissen, Vaduz im Selbstverlag 1988, Seite 14 f.
        

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